Heldin statt Buh-Frau. Die 19-jährige Niederfellabrunnerin Manuela Zinsberger ist Torhüterin bei den Damen des FC Bayern München. Mit ihrem Team holte sie den deutschen Meistertitel.

Von Maria Haiderer. Erstellt am 01. Juni 2015 (05:00)
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NOEN, Christian Kaufmann
Ein großes Stück Mut und eine ordentliche Portion Präsenz – das sind die Zutaten, die es für einen erfolgreichen Torhüter braucht.

Manuela Zinsberger aus dem Weinviertler Ort Niederfellabrunn hat beides: Seit knapp einem Jahr spielt sie bei einem der besten Vereine der Welt, in der Damenmannschaft des FC Bayern. Kürzlich holte sie mit ihrem Team den deutschen Meistertitel. „Ich bin stolz, einen kleinen Beitrag dazu geleistet zu haben“, so die 19-Jährige bescheiden.

Karrierestart mit fünf Jahren

Begonnen hat sie ihre Fußballkarriere im zarten Alter von fünf Jahren: Sie war viel mit Burschen unterwegs, die nahmen sie dann einmal zum Zuschauen aufs Fußballfeld mit. Die Mutter eines Freundes meinte: „Spiel doch einfach mit, bevor du da herumsitzt.“

Vom Trainer bekam sie dann gleich den Anmeldeschein fürs Fußballteam in die Hand gedrückt. Die erste Reaktion ihrer Mutter zu Hause: „Jetzt hab’ ich endlich zwei Mädels, und dann spielt erst recht eine Fußball.“

Wesentlich mehr freute sich da schon der Papa, war er doch selbst lange Zeit als Tormann bei der TSU Obergänserndorf aktiv. Dass auch Manuela das Tor hütet, hat sich zufällig ergeben: Der Torwart ihrer Jugendmannschaft in Leitzersdorf zog weg.

Der Trainer stellte sein Team vor die Wahl: Entweder jemand geht ins Tor, oder er muss die Mannschaft aufgeben. Die damals Neunjährige meldete sich freiwillig. Noch bis ins Hauptschulalter spielte sie in Jungenmannschaften. Darüber ist Zinsberger auch froh: „Bei den Mädels geht’s etwas zierlicher zu.“ Mit den Burschen in ihrem Team gab’s keine Probleme. Natürlich hätten die „anfangs mal geschaut, ob ich auch kicken kann“.

2011 ins Österreichische Nationalteam

Großrußbach war der erste Frauenverein, bei dem sie spielte. Außerdem trainierte Zinsberger im Landesausbildungszentrum Stockerau. Mit 15 Jahren kam sie an die Fußballakademie in St. Pölten. Daneben kickte Zinsberger beim SV Neulengbach, wo sie es als Einsertorfrau bis ins Viertelfinale der Champions League schaffte.

2011 wurde sie für das Nationale Frauenzentrum ausgewählt und kam so ins Österreichische Nationalteam. „Jeder Schritt war wichtig“, meint die Niederfellabrunnerin über ihren Werdegang. Die Entscheidung, nach München zu gehen, ist ihr leicht gefallen, weil sie die drei dort spielenden ÖFB-Damen schon kannte.

Was sie von Vorurteilen gegenüber Frauenfußball hält? „Solang’ ich an mich und mein Team glaub’, schau’ ich nicht, ob das belächelt wird.“ Als Torfrau trägt sie eine große Verantwortung: „Entweder bist du der Held oder der Buh-Mann. Doch man verliert und gewinnt als Team, das haben wir gelernt.“

Es gibt ein Leben nach dem Sport, weiß Zinsberger. Neben ihrer Fußballkarriere macht sie eine Lehre zur Bürokauffrau in einem Sport-Reha-Zentrum. Viel Zeit für Familie und Freunde bleibt ihr nicht – außer wenn sie wie jetzt zum Krafttanken ins Weinviertel kommt.

Pläne für die Zukunft: „Alles geben für das Nationalteam und den FC Bayern.“ Bis 2017 ist sie bei Letzterem unter Vertrag.


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