Möbel mit Geschichte. Holzwerkstatt / Leo Moser aus Michelhausen fertigt Möbel aus venezianischem Eichenholz. Genauer gesagt aus jenen Eichenpfählen, die jahrelang den Hafen von Venedig gestützt haben.

Erstellt am 23. März 2014 (23:59)
NOEN, Erich Marschik

20 bis 30 Jahre steht so ein Eichenpfahl im Wasser in Venedig, bevor er ausgetauscht wird und der Michelhausener Leo Moser daraus ein Möbelstück fertigen kann.

Auf die Idee, mit diesem Holz zu arbeiten, kam Moser im letzten Jahr. Der Hintergrundgedanke: Er wollte einen exklusiven Barschrank für die Internationale Handwerksmesse in München fertigen. Eine ausgefallene Holzart musste also her. Bei einem Holzverkäufer hat er sich damals ein 8.000 Jahre altes Stück Mooreichenholz angesehen. „Das wäre aber von der Verarbeitung her nicht gegangen. Und der Geruch war auch ziemlich streng“, so der Tischlermeister. Den Gedanken, mit altem Holz zu arbeiten, hat der 37-Jährige aber weitergesponnen. So ist er schließlich auf die Idee mit dem venezianischen Eichenholz gekommen.

Möbel mit hoher Exklusivität

Fast jedes Möbelstück kann Moser auf Wunsch aus diesem Holz fertigen. Denn: Prinzipiell ist es nicht anders als neues Eichenholz. „Das Wasser konserviert es. Nur der Teil, der aus dem Wasser ragt und zu dem Luft dazukommt, der verwittert.“ Bevor das Holz verarbeitet werden kann, muss dieser Teil abgeschnitten werden. Der Rest wird gereinigt und von Muscheln befreit. Moser kauft das Holz in fünf Zentimeter dicken Scheiben beim Holzhändler seines Vertrauens.

Der Aufwand, der in diesem Holz steckt, macht sich auch im Preis bemerkbar. Es ist dreimal so teuer wie normales Eichenholz. Dafür ist jedes Möbelstück einzigartig. Dazu tragen die charakteristischen Wurmlöcher bei. Die müssen extra gereinigt und mit Kunstharz ausgefüllt werden. „Das ist sicher nicht was für jeden Tischler, da braucht man schon ein gewisses Know-how“, sagt Moser stolz.

Und dass er das hat, hat er schon früh bewiesen. Mit 20 – als Jüngster seines Jahrgangs – hat er 1996 seine Meisterprüfung abgelegt. Nachdem er die Vorausscheidung in Österreich mit großem Abstand gewonnen hat, gewann er ein Jahr später bei der internationalen Fach arbeiterolympiade (World Skills) in St. Gallen in der Schweiz Bronze. Diese Medaille hat Moser seinen weiteren Weg geebnet. Ein Tischlerunternehmen aus England, das ausschließlich für David Linley, Sohn von Prinzessin Margaret, produziert, ist auf ihn aufmerksam geworden.

Von 1998 bis 2000 war er dort tätig und stieg in dieser Zeit zu einem der besten Mitarbeiter auf. Bevor er nach Österreich zurückkehrte, machte er noch ein Jahr „working holiday“ in Australien. 2007 folgte schließlich in Österreich die Gründung der eigenen Firma.

„Beim Bergsteigen  kann ich abschalten“

Seine Frau Barbara betreut dort die Kunden, erledigt Ad ministratives und macht die Pressearbeit. Bis Oktober dieses Jahres ist die Holzwerkstatt ausgebucht. Zeit für Hobbys bleibt da freilich kaum. Wenn doch, dann geht der Tischler bergsteigen. „Ein paar Mal im Jahr muss das sein. Da kann ich abschalten.“