Lust auf die Bühne. Herbert Reisinger, Pfarrer in Langenhart (Bezirk Amstetten), hat einen Hang zu humoristischen Bühnenshows. Sein Beiname: Der Kabarettpfarrer.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 01. Dezember 2014 (06:07)
NOEN, Wolfgang Zarl
In seinem Kabarett zieht Pfarrer Herbert Reisinger Bilanz über ein Jahr als Pfarrer und Parkwächter.
„Ich habe von manchem Kabarett mehr mitgenommen als von mancher Predigt.“ Das sagt einer, der von beidem schon reichlich Erfahrung hat: Pfarrer Herber Reisinger aus Langenhart (Bezirk Amstetten) hat nämlich eine besondere Leidenschaft – er liebt Kabaretts.

Und das nicht nur als Zuseher – am liebsten steht der gebürtige Krummnußbaumer (Bezirk Melk) nämlich selbst auf der Bühne. Ende November gab er sein Kurzkabarett „P wie Priester. Heiteres & Herbert“ im Volksheim in Sankt Valentin für einen karitativen Zweck zum Besten.

„Herbert, du hast  den Beruf verfehlt“

„Die erste Bühnenerfahrung war vor dem Stimmbruch“, erinnert sich Pfarrer Reisinger schmunzelnd. „Ich habe damals Maria gespielt.“ Seit damals ließ ihn die Bühne nicht mehr wirklich los. Immer wieder gibt Reisinger kleinere kabarettistische Einlagen zum Besten – gerne auch im kirchlichen Kontext. „Ich bin als Pfarrer nicht der große Faschingsprediger, da tu ich mir schwer. Kabarettistische Einlagen gibt es aber schon.“

Spätestens seit seinem 40. Geburtstag vor einem Jahr ist das Kabarett-Feuer in Herbert Reisinger endgültig entflammt. „Ich habe Verwandte und Freunde eingeladen, und hab damals gesagt, ich möchte feiern, aber so wie ich mir das vorstelle.“ Damals veranstaltete er einen kabarettistischen Abend für seine Gäste. Mit Erfolg: „Leute, die ich sehr schätze, sagen oft ‚Herbert, du hast den Beruf verfehlt‘.“

Für das Kabarett, das Reisinger Ende November aufgeführt hat, hat er mehrere Monate lang Stoff gesammelt. „Ich habe einen Notizzettel im Zimmer, wo ich immer etwas aufschreibe – manchmal auch beim Spazierengehen.“

"Auch Zölibat ist ein Thema"

Der Inhalt des Kabaretts? Zu viel will Reisinger jenen, die das Programm nicht gesehen haben, nicht verraten. Denn: „Wie kann man Bier erklären? Es bleibt trocken, wenn man’s nur erklärt.“ Ein paar Details verrät er aber doch: „Der Aufhänger ist ein Priester als Parkwächter – wegen Einsparmaßnahmen der Kirche. Ich komme auch auf Themen wie das Zölibat zu sprechen.“ 30 Minuten dauert das Kabarettprogramm.

Was den Priesterberuf anbelangt, so ist Reisinger ein Spätberufener. Zum ersten Mal mit diesem Gedanken gespielt hatte er zwar schon als Ministrant in der Hauptschulzeit. „Es gab für mich dann nur die Möglichkeit, nach Horn zu gehen, in das Seminar für Spätberufene. Ich war 19 Jahre alt bei der Matura, dann ist mir die Luft ausgegangen“, erinnert er sich.

Reisinger sah zu diesem Zeitpunkt keinen Zugang zum Priesterberuf. „Nach der Matura habe ich eine Sportartikelverkäufer-Lehre gemacht.“ Doch obwohl er diesen Beruf mehrere Jahre ausgeübt hat, ließ ihn der Gedanke, Priester zu werden, nicht los. „Ich habe in all dieser Zeit nie mit dem Glauben und der Kirche gebrochen.“ 2004 schließlich war seine Priesterweihe.

Eintrittsgelder werden gespendet

Was seinen Hang zum Kabarett betrifft, so hat er „keine Ressourcen für regelmäßige Auftritte“, bedauert er. Aber er ist sicher, dass der Auftritt vor wenigen Wochen nicht der letzte war: „Nach dem Kabarett ist vor dem Kabarett.“

Übrigens: Der Erlös aus den freiwilligen Spenden für den Auftritt Ende November wird für den Bau eines Waisenhauses in Nigeria verwendet. 5.000 Euro wurden gesammelt.