Erstellt am 02. März 2015, 00:10

von Anita Kiefer

Essen und Gutes tun. Cornelia Mayer (Bezirk Mödling) hat "Topfreisen" ins Leben gerufen: Asylwerber kochen Speisen aus ihrer Heimat. So sollen etwa Deutschkurse finanziert werden.

Cornelia Mayer steht nur beratend in der »Topfreisen«-Küche - selbst kocht sie nicht gern.  |  NOEN, Erich Marschik

Wenn Cornelia Mayer aus dem Bezirk Mödling etwas hat, dann definitiv eine soziale Ader: Mayer hat Soziale Arbeit studiert, arbeitet als Sozialarbeiterin beim Land Niederösterreich und freiberuflich beim Kindernetzwerk Industrieviertel. Gerade ist sie dabei, ihre Idee zum Konzept „Topfreisen“ umzusetzen. Dabei werden Asylwerbende aus dem Caritas-Haus St. Gabriel in Maria Enzersdorf schon bald Speisen aus ihrer Heimat – frisch und aus regionalen Zutaten zubereitet – kochen und verkaufen. Die Idee dahinter: Die Speisen werden zum Selbstkostenpreis angeboten. Alles, was darüber hinaus an Spenden der Kunden lukriert wird, kommt den Asylwerbern zugute: Vor allem sollen Hortplätze für Kinder und Deutschkurse finanziert werden.

Puzzlesteine fügten sich zu einem Ganzen

Stein des Anstoßes zu „Topfreisen“ war für Mayer eine Weltreise 2012 und 2013. „Ich habe ein halbes Jahr Auszeit genommen, und war da etwa in Kambodscha“, erinnert sie sich. Sie lernte ein Schweizer Ehepaar kennen, das dort ein Restaurant führt, in dem ehemalige Waisenkinder in der Gastronomie ausgebildet werden. „Die Kinder, die aus dem Waisenhaus herausgewachsen sind, haben sonst oft nur den Weg in die Prostitution“, erklärt Mayer.

Durch diese Reise fügten sich in Mayer viele Puzzlesteine zu einem Ganzen zusammen – was schließlich das Konzept zu „Topfreisen“ ergab: „Ich koche selbst nicht gern und gehe viel Essen. Für mich war es so genial, dass ich während des Essens Gutes tun kann“, erklärt sie. Und: „Ich habe mich während meiner Reise viel mit Essen beschäftigt.“ Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung wurden für sie dabei sehr wichtig. „Ich habe versucht, bewusster zu leben und diese Werte auch in Österreich zu leben. Hier ist das aber schwierig, weil man im Restaurant und im Supermarkt ja nicht weiß, woher die Lebensmittel kommen.“

Bei den Asylwerbern in Maria Enzersdorf kam „Topfreisen“ von Anfang an gut an. „Wir haben einen Workshop gemacht und uns angeschaut, was sie sich wünschen würden. Sie mögen den Austausch über Rezepte und das Kochen. Sie sagten, dass sie dabei ihre Probleme vergessen.“

"Das Interesse ist ein Wahnsinn"

Momentan besteht das „Topfreisen“-Team aus ehrenamtlichen Helfern und sechs Asylwerberinnen aus Tschetschenien, die kochen. Außerdem ist ein Koch mit von der Partie. Er ist gebürtiger Afghane und arbeitet seit rund 20 Jahren für die Caritas. „Ich möchte jetzt gern umorganisieren und suche einen Co-Manager, der seine Zeit hier mehr investieren kann“, erklärt Mayer, deren Engagement für „Topfreisen“ ebenfalls ehrenamtlich ist.

Noch ist der endgültige Startschuss zu „Topfreisen“ nicht gefallen, in einem Probeessen wurden die Abläufe aber bereits getestet. Gekocht werden soll künftig für größere Personengruppen und Events. Der Start wird noch einige Wochen dauern. Potenzielle Kunden gibt es jedenfalls genug: „Das Interesse ist ein Wahnsinn. Wir haben Anfragen von Wien bis Wiener Neustadt und aus dem Burgenland.“