Kunst: Von Katzen und Nasenbären. Rosemarie Benedikt hat sich mit Figuren aus Glas und Keramik eine eigene Welt erschaffen. Sie erhielt das Goldene Ehrenzeichen der Republik.

Von Nina Pöchhacker. Erstellt am 16. Januar 2018 (01:14)
privat
Rosemarie Benedikt

Tonkneten, Töpfern, das Heben schwerer Brennplatten in den Ofen, langes Arbeiten mit Feuer – das Werken mit Keramik und Glas bedeutet große körperliche Anstrengung. Trotzdem wird die Szene von Frauen dominiert. Rosemarie Benedikt, eine der bekanntesten österreichischen Keramikkünstlerinnen, kann sich das auch nicht ganz erklären: „Es sind circa 70 Prozent Frauen – das war auch schon unter den Studenten so. Ich kenne einige großartige männliche Keramikkünstler, aber vielleicht haben Frauen einen besseren Umgang mit Ton – sobald man Richtung Bildhauerei geht, hat man nämlich auf einmal viel mehr Männer als Frauen.“

Die 78-Jährige lehrte über vier Jahrzehnte im Keramikstudio der Universität für Angewandte Kunst in Wien, designt seit 1993 für Villeroy & Boch und präsentierte ihre Werke in bisher 45 Ausstellungen. Für ihr jahrelanges künstlerisches Engagement erhielt die gebürtige Badenerin 2017 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik.

Nach dem Abschluss an der Modeschule Hetzendorf begann die damals 20-Jährige bei einer Porzellanmanufaktur in Schweden zu arbeiten. Mit ihren Keramik- und Glasfiguren bereiste sie die ganze Welt: Studienaufenthalte in Seattle, Japan, Taiwan, China oder Mexiko, wo sie ihre große Liebe zum Nasenbären entdeckte. Dieser ist, gemeinsam mit der Katze, ein Hauptmotiv ihrer Arbeiten.

„Einerseits haben mich Natur und Tiere schon immer inspiriert, andererseits habe ich auch drei Katzen – vielleicht liegt es daran“, ergründet die Künstlerin ihren Ideenreichtum, der ein „Geschenk des Himmels“ sei. Die Herstellung neuer Stücke sei wie eine Therapie für sie: „Wenn ich einen schlechten Tag habe, macht mich die Arbeit wieder gesund.“

An eine künstlerische Pension denkt die 78-Jährige noch lange nicht, denn aus ihrer Inspiration könne sie ewig lang schöpfen. Fünf mal im Jahr bereist sie Murano vor Venedig, um sich ihrer „großen Faszination Glas“ zu widmen. Für ihren 80. Geburtstag im Jahr 2019 hat sie verschiedene Projekte geplant: eine Glasausstellung in der Galerie Kovacek & Zetter, eine Keramikausstellung in ihrem eigenen Atelier und einen Sammelband über ihre Glasarbeiten.

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