Handwerk: Jedes Stück ein Unikat. Der Waldviertler Rudolf Friedrich betreibt in Groß-Siegharts die letzte Teppichstickerei Österreichs. Mit seiner Frau hält er die Tradition hoch.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 08. Mai 2018 (01:15)
privat
Rudolf Friedrich hat die Teppichstickerei von seinem Vater übernommen.

Manche Menschen kommen mit Vorhängen oder Häferl, deren Muster sie besonders mögen, zu Rudolf Friedrich nach Groß-Siegharts. Das hat einen einzigartigen Grund: Der 45-Jährige leitet dort die letzte Teppichstickerei Österreichs.

„Passend zu den Mustern wollen sie die Teppiche, und wir sind in der Lage, das umzusetzen. Wenn man sieht, was rauskommt vorm ersten Bleistiftstrich bis zum fertigen Teppich ... dass das gelungen ist: Das ist das Schöne.“

Friedrich ist in Groß-Siegharts aufgewachsen und absolvierte nach dem Gymnasium die Lehre zum Elektromechaniker und Maschinenbauer. „Durch meine Ausbildung schaffe ich es, dass ich die Maschinen am Laufen halten kann“, erklärt Friedrich. Denn die Maschinen, die nach wie vor in der Teppichstickerei verwendet werden, sind aus den 1920er-Jahren. Geht ein Bestandteil kaputt, kann Friedrich es reparieren.

"Das Grundgewebe machen wir selber im Haus"

Die Teppichstickerei war früher ein Teil der „Teppich- und Möbelstoffwerke“. Die Beschäftigten dort haben hauptsächlich gewebt. „Mein Vater hat dort gearbeitet und wusste, was da dahinter ist“, so Friedrich über das Brauchtum. Von seinem Vater, der ebenfalls Rudolf Friedrich heißt, hat er die Stickerei übernommen. Friedrichs Ehefrau stickt, und er ist im Familienbetrieb für Mechanik und das Geschäftliche zuständig.

Die Teppiche werden auf Bestellung handgefertigt. Jedes Stück ist ein Unikat. Friedrich freut es besonders, dass es ein durch und durch österreichisches Produkt ist. „Das Grundgewebe machen wir selber im Haus, das Garn kommt aus Tirol, gearbeitet wird in Groß-Siegharts.“

Dass Friedrich der Betrieb sehr am Herzen liegt, merkt man auch daran, dass er die viele zusätzliche Arbeit neben seinem Alltagsjob verrichtet. „Am Tag bin ich Dreher und Fräser, am Abend gehen wir in die Stickerei“, erklärt er über das Teamwork mit seiner Frau.

Ob das Brauchtum von einem der drei Kinder eines Tages weitergeführt wird, ist noch nicht klar. Das sieht Friedrich gelassen: „Sie interessieren sich schon dafür, aber es ist ja noch Zeit.“

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