„Schön, wie dankbar die Menschen sind“. Tobias Janisch aus Pyhra war für „Ärzte ohne Grenzen“ in Belgrad und Lesbos, um zu helfen.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 19. Dezember 2017 (02:36)
Ärzte ohne Grenzen
Tobias Janisch

Eines der immer wiederkehrenden Wörter des letzten Nationalratswahlkampfs ist die Balkanroute. Für viele eine abstrakte Bezeichnung für die Routen zwischen dem Nahen Osten und Europa über den Balkan, ist es für Tobias Janisch aus Pyhra Alltag und Beruf.

Denn der 24-Jährige war ein Jahr für „Ärzte ohne Grenzen“ in Serbien im Einsatz. Ein Report der Organisation zeigt, dass 92 Prozent der Kinder und Jugendlichen, die in den Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen betreut wurden und von Übergriffen berichteten, die EU-Grenzpolizei oder Behörden als Täter nennen. „Es gibt keine sicheren Wege für diese Leute, und das muss sich ändern“, sagt Janisch über die Flüchtenden.

In Pyhra im Bezirk St. Pölten-Land aufgewachsen, maturierte er im Sportgymnasium in der Josefstraße. Danach studierte Janisch an der Universität für Bodenkultur Kulturtechnik und Wasserwirtschaft – und zwar „immer mit dem Hintergedanken, dass ich in der humanitären Hilfe arbeiten möchte“. Als Mitte 2015 viele Flüchtlinge nach Wien gekommen sind, habe er begonnen, sich freiwillig zu engagieren. „Ich habe mich relativ lange engagiert und bin dann schlussendlich Ende 2015 in Griechenland, Lesbos, gelandet.“ Dort hat Janisch freiwillig im Camp mit UNHCR gearbeitet und ihm wurde ein Praktikum im Headquarter in Genf angeboten. Nach einem Jahr, wo er im Bereich „Water Sanitation and Hygiene“ bei Ärzte ohne Grenzen gearbeitet hat, ist sein Einsatz nun vorbei.

Flüchtlinge und Asylwerber bei Grenzübergängen medizinisch und psychologisch zu unterstützen ist keine einfache Aufgabe. Aber es gäbe Techniken, wie man am Ende des Tages abschaltet, „und man hat Kollegen, mit denen man spricht“. Für die Leute an der Balkanroute würden die normalsten Dinge, die wir gar nicht schätzen, zum Privileg, sagt Janisch: „Es ist einfach schön zu sehen, wie dankbar die Menschen sind.“

Er wird Weihnachten mit seiner Familie und den Winter in Österreich verbringen. „Dann habe ich auf jeden Fall vor, wieder auf einen Einsatz für Ärzte ohne Grenzen zu gehen!“

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