Michael Schubert: "Leben ist nicht vorbei". Michael Schubert aus Felixdorf entwickelt Produkte, die das Leben von Rollstuhlfahrern erleichtern sollen. Das aktuelle Projekt ist ein Segway für Fahren im Gelände.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 26. Mai 2014 (01:00)
NOEN, zVg

Nichts ist unmöglich. Wenn es jemanden gibt, der diesen Satz zur eigenen Lebensphilosophie gemacht hat, dann ist das Michael Schubert aus Felixdorf (Bezirk Wiener Neustadt-Land). Der 35-Jährige sitzt seit einem Autounfall vor 13 Jahren im Rollstuhl.

Was ihn nicht daran hindert, sich sein Haus fast ohne fremde Hilfe zu renovieren. Außerdem ist er mit der Entwicklung von Kleidung und Transportmitteln beschäftigt, die seine Lebensqualität und die anderer Rollstuhlfahrer verbessern sollen: Aktuell entwickelt er einen Segway, mit dem er in unwegsamem Gelände problemlos vorankommen möchte.

NOEN, zVg
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Nach schwerem Autounfall gelähmt

Es war ein verschneiter Jänner-Abend im Jahr 2001, der das Leben von Michael Schubert nachhaltig verändern sollte. Schubert war mit dem Auto auf dem Weg nach Hause. „Ich bin vermutlich am Steuer eingeschlafen.“ Erinnerungen an seinen schweren Autounfall hat er keine. Fest steht, dass er mit rund 90 km/h ungebremst mit mehreren Bäumen kollidierte. Durch den Aufprall wurde er aus seinem Wagen geschleudert. Rund 12 Stunden lag er neben seinem Auto, bevor er gefunden wurde. „Laut den Ärzten war ich der einzige Mensch in Österreich, der eine Körpertemperatur von 24,5 Grad überlebt habe“, erzählt er. Seit damals ist Schubert querschnittgelähmt.

Für viele ist ein das Grund zu verzweifeln. Nicht so für den 35-jährigen Felixdorfer: „Ich hab’ mir gedacht, wenn ich diesen Unfall überlebt habe, bringt mich der Rollstuhl nicht um.“ Stattdessen versucht er, sich mit findigen Ideen den Alltag zu erleichtern.

„Ich wollte zeigen, dass man alles machen kann, wenn man will“

Ein Beispiel sind Jeans, speziell für Rollstuhlfahrer. Viele Rollstuhlfahrer hätten ja psychische Probleme, erklärt Schubert. „Kein Wunder, wenn man auch aussieht wie ein Koffer“, sagt er und lacht. Abgesehen vom modischen Schnitt haben seine Hosen an Gesäß und Oberschenkel Protectormaterial eingenäht, um Druckstellen zu vermeiden. Außerdem haben sie einen sitzenden Schnitt, was Stabilität im Becken schafft.

„Ich habe den Prototypen selbst genäht“, erzählt er. Verkauft werden die Jeans über seine Firma WCCS. Das aktuelle Projekt, an dem er arbeitet, ist ein Segway für das Fahren in unwegsamem Gelände. „Es gibt etwas Ähnliches, das ist aber ein Segway, den man nirgends mit hinnehmen kann. Mein Modell passt in einen Koffer, ähnlich einem Trolley. Das Endserienmodell ist sprachgesteuert.“

Volles Engagement bei Haus-Renovierung

Doch damit nicht genug: Seit rund drei Jahren ist er dabei, trotz seiner körperlichen Einschränkungen sein Haus in Felixdorf zu renovieren. Gekauft hat der gelernte Werkzeugmaschineur das Haus in abbruchreifem Zustand. „Ich habe die ganze Baustellenzeit hier gewohnt. Das hat so ausgesehen, dass ich den Schutt vom Bett runtergeräumt hab’, bevor ich mich reinlegen konnte.“

Seine Arbeiten an den 150 Quadratmetern Wohnfläche hielt er fast vollständig auf Video fest. Mit einer Art Hebebühne und einer Konstruktion aus Gurten sorgte er dafür, dass er auch an Wänden, Decken und in Schächten arbeiten konnte. Die Videos hat Schubert ins Internet gestellt. Er will Vorbild sein für viele Rollstuhlfahrer, die mit ihrem Schicksal hadern. „Ich wollte zeigen, dass man alles machen kann, wenn man will. Die Leute sollen sehen, dass das Leben nicht vorbei ist.“