Pandemie beflügelt Telemedizin. Während der Krise lernten viele die Vorteile von medizinischen Leistungen via Telefon, E-Mail oder Videoschaltung schätzen.

Von Anna Perazzolo, Lisa Röhrer, Norbert Oberndorfer und Jakob Selinger. Erstellt am 25. August 2021 (05:53)
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Patienten-Gespräche per Telefon oder Videogespräch: Für Arzt Michael Hochstöger im Primärversorgungszentrum St. Pölten gehört das bereits zum Alltag.
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Kontaktlos Medikamente verschreiben lassen und in der Apotheke abholen, ein Befundgespräch per Videogespräch oder sich elektronisch krank melden: Das ist Telemedizin. Dabei verspricht die Trennung von Gesundheitsdienstleitung und Ort den Patienten ein Ende von stundenlangem Warten in Ordinationen, weniger Straßenkilometer und mehr Zeit für die eigentliche Behandlung.

Wie eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Integral zeigt, ist bereits jeder und jede Dritte in Österreich mit einer Ärztin oder einem Arzt in Kontakt getreten, ohne die Praxis betreten zu haben. 21 Prozent könnten sich gut vorstellen, auch in Zukunft Telemedizin zu nutzen.

Gerald Bachinger
Gerald Bachinger
NOEN, Erich Marschik

Seit Jahrzehnten engagiert sich NÖ-Patientenanwalt Gerald Bachinger dafür, dass „Gesundheitsdienstleistungen zum Patienten kommen, und nicht umgekehrt“. Über den Corona-bedingten Telemedizin-Aufwind freut er sich sehr. Nach hartnäckigen Vorbehalten und Ängsten von Ärzten und auch Patienten bezüglich Datenschutz, technischer Probleme, schneller Abfertigung und Kommunikationsproblemen hätten in der Krise viele die Vorteile von e-Health erkannt.

Behandlungsschnitzer oder anderweitige Probleme durch Telemedizin seien Bachinger keine bekannt. „Patienten beschweren sich lediglich, dass manche Ärzte bestimmte telemedizinische Visitationen und Krankschreibungen nicht anbieten und machen wollen. Für einige Ärzte würde das nämlich eine komplette Umstellung ihres Systems bedeuten“, sagt Bachinger.

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Max Wudy
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Die neuen Methoden werden von allen Bevölkerungsgruppen in Niederösterreich genutzt, bestätigt Max Wudy von der NÖ-Ärztekammer. Gerne weiterhin verwendet hätten Patienten wie Mediziner die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung, die Ende Juni eingestellt wurde. „Generell sind Telemedizin und telefonische Krankschreibung aber nicht für alle Personen und natürlich auch nicht für alle medizinischen Anliegen das geeignete Mittel“, sagt Wudy.

Ersetzen kann sie aus seiner Sicht nur Teile der Gesprächsmedizin wie Befundbesprechung, Kontrollen des Befindens oder der Medikamentenverträglichkeit. „Aber gerade im psychiatrischen Bereich hat die Telemedizin die Grenzen weit nach außen verschoben. Diese Grenzen liegen generell dort, wo es auf physikalischen Kontakt ankommt oder wo Geräte nötig sind. Eine körperliche Untersuchung, eine Spritze, ein EKG oder ein Röntgen sind telemedizinisch natürlich nicht möglich“, sagt Wudy.

Auch die ÖGK in NÖ stellt der Telemedizin ein sehr gutes Zeugnis aus: Die Corona-Schutzmaßnahmen hätten deren Integration im medizinischen Alltag beschleunigt, Telemedizin werde von allen sehr gut angenommen. Während Corona entwickelte die Gesundheitskasse gemeinsam mit Ärzten und IT-Partnern eine Online-Video-Plattform namens „visit-e“, mit deren Hilfe auch Patienten mit chronischen Krankheiten betreut werden können. Seit 1. Juli kommt „visit-e“ als eine Art digitaler Ordinationsbesuch bundesweit zum Einsatz.

Mit Datenbrille den Notarzt konsultieren

Nicht nur im Regelfall, sondern auch im Notfall bedient sich die moderne Medizin der Telemedizin. In Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) wird seit November 2020 ein Telenotarzt im Testbetrieb eingesetzt. Mittels Datenbrille mit integrierter Kamera schaltet sich ein Notarzt dazu. Durch diese sieht er alles, was der Sanitäter vor Ort sieht. Der Telenotarzt ersetzt zwar nicht den klassischen Notarzt, kann aber zur Abklärung und Rücksprache bei Notfällen zurate gezogen werden.

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