Museum am Dom St. Pölten: Die Vergangenheit im Heute. Das neue Museum am Dom St. Pölten steht in der Tradition des Sammelns und Bewahrens – seit seiner Gründung als Diözesanmuseum im 19. Jahrhundert. Mit der Neugestaltung eröffnen sich neu erlebbare Erfahrungen kirchlicher Kunst.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 17. Mai 2021 (07:00)
Museumsräumlichkeiten nach baulicher Adaptierung vor der Ausstellungsvorbereitung.
Museum am Dom

Die Geschichte eines Museums ist immer eine Geschichte des Sammelns. Im Museum am Dom (gegründet 1888 als Diözesanmuseum) nahm sie in der Person Johannes Fahrngrubers ihren Anfang. Getragen durch den Geist des ausgehenden 19. Jahrhunderts und seinen gesellschaftlichen und sozialen Umbrüchen wurde die Beschäftigung mit der eigenen Vergangenheit immer vordergründiger. Der Gedanke des Sicherns und Bewahrens gepaart mit dem Wunsch, alte Zeiten wiedererstehen zu lassen, verband sich im Falle eines christlichen Museums mit dem Auftrag, sakrale Inhalte zu vermitteln.

Fahrngrubers Mission

Der entscheidende Anstoß zur Museumsgründung ging 1888 vom „Christlich-religiösen Kunstverein in Niederösterreich“ aus. Die treibende Kraft dahinter war Fahrngruber, der kurz darauf die Räume der Stiftsbibliothek im Obergeschoss des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes bezog. Er richtete seinen Arbeitsplatz inmitten von Vitrinen, dicht gefüllt mit Reisemitbringseln, Kunstschätzen und Artefakten – umringt von den prächtigen Bücherkästen der Bibliothek – ein.

Dem kunsthistorischen Interesse von Prälat Johannes Fahrngruber ist die Gründung des Museum am Dom zu verdanken.
Museum am Dom

Änderungen in der Liturgie, Baumaßnahmen oder neue künstlerische Strömungen machten Statuen, Bilder, Ausstattungsobjekte oder liturgische Geräte und Gewänder oft funktionslos. Um diese Gegenstände als historische Zeitzeugen für die Zukunft zu bewahren, brauchte es in besonderem Maße vorausschauende Menschen. Johannes Fahrngruber trug in umsichtiger Weise Exponate aus den verschiedensten Pfarren der Diözese zusammen und legte damit den Grundstein für die heute bestehende umfangreiche Sammlung des Museums.

Sein breites Interessensspektrum dokumentieren unterschiedlichste Erinnerungsstücke, die er von mehrjährigen Aufenthalten im Nahen Osten sowie von diversen Reisen in Europa mitbrachte. Diese Objekte dienten Fahrngruber allerdings nicht (nur) als Souvenirs, sondern vor allem für seine Recherchen. So erschien auch 1893 der erste Sammlungskatalog des Museums, der in adaptierter und aktualisierter Form heute noch immer Gültigkeit besitzt.

So sah die ursprüngliche Aufstellung des Museums um 1900 aus.
Museum am Dom

Nach dem jähen Tod Fahrngrubers 1901 beschränkten sich seine Nachfolger hauptsächlich auf die Aufarbeitung und Pflege des gesammelten Bestandes. Während des Zweiten Weltkriegs und danach galt es, die Kunstobjekte zu evakuieren bzw. die Museumsobjekte aus den diversen Notdepots zurückzuholen und die zahlreichen Kriegsschäden instand zu setzen. Die prächtigen in Kriegszeiten ausgelagerten barocken Bücherkästen kehrten an ihren Ursprungsort zurück und die gesamte Stiftsbibliothek wurde restauriert.

Als in den 1980er Jahren die kirchliche Denkmalpflege stärker in den Fokus rückte, erfuhr das Museum nach einer Neuordnung des Sammlungsbestandes und einer Erweiterung der Ausstellungsfläche 1984 eine Neueröffnung unter Einbeziehung des bischöflichen Oratoriums, der ehemaligen Stiftsbibliothek und der Kerensbibliothek.

In den 1990er Jahren wurde das Museum als Außenstelle um das Wallfahrtsmuseum Maria Langegg erweitert, nachdem der Orden der Serviten die Niederlassung aufgegeben hatte. In diese Zeit fällt auch der Ankauf des spätgotischen Andreas-Altares, der ehemals für eine Kapelle am Domplatz gestiftet wurde und heute eines der Herzstücke der Sammlung darstellt.

In den nachfolgenden Jahren wurden die Ausstellungsräume nochmals erweitert, 2019 konnte der neue barrierefreie Zugang vom Domplatz fertiggestellt werden – fast 130 Jahre nachdem Johannes Fahrngruber in seinem Museumskatalog festgehalten hatte, dass das Museum „vom Domplatze weg eine anständige Pforte“ benötige.

Nach zahlreichen Ausstellungen – auch in Kooperation mit anderen Kulturinstitutionen und Museen – und einer beachtlichen Anzahl an Publikationen blickt das Museum auf eine lange Geschichte zurück. Haben sich die Rahmenbedingungen und die Anforderungen in einer über 100-jährigen Geschichte natürlich oftmals geändert, die Vision des Museumsgründers einen Ort des Dialoges zwischen Kunst und Kirche zu schaffen, ist heute aktueller denn je.

Neueröffnung 2021

Seit 2020 trägt das Museum den neuen Namen Museum am Dom und stellt sich nach umfassendem Re-Branding die Frage: Wie zeigt sich Gott im Museum?

Neues Museumslogo nach Rebranding
Museum am Dom

Menschen brauchen die konkrete, angreifbare und intime Erfahrung, um kirchliche Kunst – und damit Glaubensvermittlung – verstehen zu können. 

Sakrale Kunst kann heute vielfach nicht mehr ohne Hilfe verstanden werden, weil die mitunter plakative Zeichensprache vergangener Epochen nicht mehr gelesen werden kann – die Codes können nicht mehr entziffert werden. Das Museum am Dom bietet Orte der Kontemplation, der Begegnung und des Dialoges – Orte, an denen sich die Kirche öffnet und nahbar für die Fragen der Gegenwart macht.