Johannes Jungwirth: „Die Reaktionen sind sehr positiv“. Seit fünf Jahren ist Johannes Jungwirth als NÖN-Ombudsmann in Pensionsfragen im Dienste der NÖN-Leser. Seither hat er knapp 2.000 Anliegen geklärt.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 15. April 2021 (05:50)
Traktor-Fan Johannes Jungwirth ist mit Leib und Seele NÖN-Ombudsmann: „Jede Sorge ist ernst zu nehmen!“
Walter Fahrnberger

NÖN: Warum haben Sie sich entschieden, ehrenamtlich als Ombudsmann für die NÖN tätig zu werden?

Johannes Jungwirth: Nach meiner Pensionierung ist der damalige Chefredakteur Gebhart mit dem Ersuchen an mich herangetreten, für die NÖN als Ombudsmann in Pensionsfragen zur Verfügung zu stehen. Nach gründlicher Überlegung und Festlegung der Rahmenbedingungen habe ich zugesagt. Da ich in meinem bisherigen Leben überwiegend glücklich und erfolgreich war, möchte ich damit in Demut und Dankbarkeit der Gesellschaft ein wenig zurückgeben.

Was ist für die Ombudsmann-Tätigkeit besonders wichtig?

Jungwirth: Man muss genau hinschauen und zuhören können. Jede individuelle Sorge ist ernst zu nehmen, und die Angelegenheiten sind konkret zu analysieren, um Lösungen anbieten zu können. Dabei ist neben der umfassenden Fachkompetenz auch ein vertrauensvoller Umgang, unter Wahrung von datenschutzrechtlicher Verschwiegenheit, notwendig. Es ist eine Tätigkeit gegen Unverständ-nis, für Aufklärung und mehr Menschlichkeit!

Die häufigsten Anfragen kommen zu den Pensionen. Ist diese Materie für den Einzelnen zu komplex oder sind die Beratungen der Institutionen verbesserungswürdig?

Jungwirth: Der Themenbereich der Sozialversicherung, insbesondere der Bereich der Pensionen, ist grundsätzlich äußerst vielfältig und komplex. Allein das ASVG umfasst derzeit rund 750 Paragraphen, dazu noch jede Menge Anlagen, Verordnungen, Erlässe, Judikate etc. Die Sozialversicherungsträger bieten sehr wohl einen adäquaten Service- und Kundendienst an (Homepage, Broschüren, Folder, Merkblätter usw.). Es ist aber notwendig, dass dieser von deren Kunden auch rechtzeitig in Anspruch genommen wird. Die Rechtsmaterien in den Sozialgesetzen unterliegen aber oftmals raschen Änderungen.

Wie lange arbeiten Sie durchschnittlich an einem Fall?

Jungwirth: Der Zeitaufwand für die Einzelfallerledigung ist durchaus beträchtlich, zumal meist mehrere Erledigungsschritte erforderlich sind. So ist zuerst der übermittelte Sachverhalt auf Vollständigkeit und Schlüssigkeit zu überprüfen und zu hinterfragen. Danach ist durch gezielte Akteneinsicht die Sach- und Rechtslage zu beurteilen, um Probleme zu lösen, Fakten verständlich zu machen oder Ratschläge zu erteilen. Im Durchschnitt ist inklusive der notwendigen Fahrzeiten und der Akteneinsicht der zeitliche Aufwand je Anliegen mit ca. 1,5 Stunden zu bemessen. Darüber hinaus ist es auch notwendig, sich in den Rechtsmaterien ständig aktuell zu halten. Dies durch Studium der gesetzlichen Rechtsänderungen, durch gute Vernetzungen in die Institute hinein und durch regelmäßige Kontakte mit Exponenten aus der Sozialpolitik.

Haben sich die Themenlagen der Anfragen in den fünf Jahren ver-ändert?

Jungwirth: Wie in der Grafik dargestellt, habe ich die Anfragen thematisch in vier große Bereiche gegliedert: Pensionen, Zulagen und Zuschüsse etc., Pflegegeld sowie Kur und Reha. Im Bereich Pensionen sind Fragen zu Anspruchsvoraussetzungen, Vorausberechnungen und Bescheiden, Abschlägen, Schwerarbeit, Nachkauf von Schulzeiten usw. vorherrschend. Die unterschiedlichen Zugänge zu Fragen in den einzelnen Bereichen hängen ganz maßgeblich von angekündigten oder umgesetzten Rechtsänderungen ab, von Problemen am Arbeitsmarkt und auch von der demografischen Entwicklung einer älter werdenden Gesellschaft.

Wie sind die Reaktionen nachder Erledigung der Fälle?

Jungwirth: Dankbar und sehr positiv. Dankbar dafür, dass die Anliegen und Sorgen ernst genommen, Fragen geklärt und Inhalte aufgeklärt werden. Dabei ist die verständliche Sprache sehr wichtig, denn nur das, was man versteht, kann auch akzeptiert werden. Das Angebot der NÖN einer Beratung und Hilfestellung durch den NÖN-Ombudsmann wird ebenfalls lobend hervorgehoben, insbesondere da diese Serviceleistung kostenlos ist. Oftmals gibt es sehr anerkennende Rückmeldungen zu meinen monatlichen generellen Themenaufbereitungen. Jeden ersten Mittwoch des Monats befasse ich mich in der NÖN ausführlich mit einer Thematik, welche sich aus gehäuften Leseranfragen oder aufgrund aktueller Anlässe ergibt (z. B. Rechtsänderungen, Jahreswechsel, Aktuelles).

Wie lange werden Sie den NÖN- Lesern noch mit Rat und Tat zur Seite stehen können?

Jungwirth: Das hängt in ersterLinie von meiner Gesundheit, aber auch vom Beratungsbedarf und der NÖN ab. Ich arbeite grundsätzlich als Einzelperson, habe aber viel Unterstützung von den Sozialversicherungsträgern (PVA, SVS, AUVA, BVAEB) bei der notwendigen Akteneinsicht. Ich danke hiermit ganz besonders meinen Ansprechpartnern und ihren Teams für die verlässliche und lösungsorientierte Zusammenarbeit!

Sie sind auch ein begeisterter NÖN-Leser. Was gefällt Ihnen an der Zeitung am besten?

Jungwirth: Sehr gut empfinde ich die Gliederung in Regionalteile und einen generellen NÖ-Teil (eingegliedert und nicht als Beilage), die Leitartikel der Chefredakteure, Themen des Landes NÖ und der Landespolitik, die Rubrik Glaube und Leben und zuletzt das handliche Format.

Hammerl/Bischof