Die Rache

Seit nunmehr 30 Jahren verfasst Otti Schwarz erfolgreich humorige Gschichtln, Gedichte und Anekdoten - vorwiegend in österreichischer Mundart. Seine besten Werke präsentiert er ab sofort auch Woche für Woche auf NÖN.at.

Erstellt am 04. Dezember 2021 | 07:00
Lesezeit: 5 Min
Otti Schwarz
Otti Schwarz
Foto: Fotostudio Helmreich, 1010 Wien

DIE RACHE
 
Den Pschestak Ferdl, um hoib Öf,
Ruaft auffe ins Büro der Chef:
„Herr Pschestak, nehmen´S Plotz, hörn´S zua:
Unser Bilanz loßt mir ka Ruah!
 
I hob heut a Problem, a klans:
Um dreizehn Uhr kummt die Finanz!
Und prüft, ob mir leicht gschummet hättn!
Und weu Sie eh nur n´Blödsinn redn,
 
Hob ich mir denkt, ich kenn Sie jo,
S´wird besser sei, Sie san net do!
Darum, Herr Pschestak, pockn´S ei
Ab zwölf Uhr hobm Sie heute frei!“
 
„Leiwaund!“ denkt sich der Ferdl schon
„Daß ich mich heite schleichn kaunn!
Glei gas i ham, schnopp mir mei Mause
Und foahr mit ihr noch Grinzing ausse!“
 
Um zwöfe hod er s´Büro zuagschpiarrt
Und lenkt leichtfüßig seine Schriatt
Mit froh erwartungsvollem Sinn
In Richtung Koarl-Marx-Hof hin!
 
Und wiara obm steht vur der Tür,
Denkt er: „Den Spaß, den moch ich mir,
Daß ich sie überraschen tät!
Weu, daß ich früher kumm, waß jo net!“
 
Daunn sperrt er auf und geht in Flur
Nach a poar Schriatt, do kummts eam vur,
Wia waunn in Schlofzimmer grod jetzt
Keuchert wer umanaunder hetzt!
 
„Seit waunn tuat denn“ denkt er im Stün
„Mei Schatzi allein Faungerl spün?
Oder: so eine Lustboarkeit
Betreibst normal doch nur zu zweit?“
 
Die Zimmertür is angelehnt
Der Ferdl speanzt jetzt, wos do rennt
Und er erblickt, ach!, Schreck und Qual
Das Art-Erhaltungs-Ritual!
 
Natürlich foit er in Erregung
Weu in der langsamen Bewegung
Erkennt er mit an Mogn-Ziagn:
Den Hauswart jetzt von eanrer Stiagn!
 
Der Puis foahrt eam auf ...Hundertsechzig!
„Es Gfraster!“ denkt er „So wos rächt sich!
Dich, Hauswart, werd ich schlögln, rädern!
Vergiftn, hänger, teern und federn!“
 
Doch plötzlich gibt’s eam einen Ruck:
Der Schande ist noch nicht genug!
Eigentlich wüßt er noch genau,
Wos mocht grod des Hausmeisters Frau?
 
Gekränkt in seiner Eitelkeit
Denkt er: „ Gerächt wird nur zu zweit!“
Für sein Erfoig gibt’s an Garant:
Weu in den Bau is jo bekannt,
 
Daß´d Hausbesorgerfrau gewiß
Kein Kind von Traurigkeit net is!
Soa tête á tête kennt keine Schonung!
Leise schleicht er sich aus der Wohnung 
 
Und springt wia junger Rehbock munter
Behend ins Erdgeschoß hinunter!
Den Finger auf die Klingel drauf
Und schon mocht d´Hausbeorgrin auf:
 
„Herr Pschestak! Sie san leicht in Furm!
Woas leitn´S denn bei mir heit Sturm?“
Der Pschestak mocht a ernstes Gsicht:
„Frau Schlatschek, Sie derrotn´S nicht!
 
Ihr Maunn und meine Frau do obm,
Tuan für an Porno-Füm grod probm!“
Mehr Nochrichtn hätts nicht bedurft!
Die Schlatschek is erfreut und ruaft:
 
„A so a Probe is net schwa!
Wos die zwa können, kemma a!
Eine mit Ihnen, Pschestak, los!
Die Rache lebt im Erdgeschoß!“
 
Und kurz drauf hält im Schlafgemache
Der Racheengel standhaft Wache!
Noch aner Stund frogt d´Schlatschek leise:
„Findst net, Ferdl, daß auf die Weise
 
Wir eaner Tat do obm nicht schwächen:
Soit ma uns net noch einmoi rächn?“
Der Ferdl mant: „Auf jedn Foi!
Feulich! Mir rächn uns no amoi!“
 
Noch aner Sund sogt sie: „Hör zua:
Mir gebm die zwa do obm ka Ruah!“
Der Ferdl drauf: „Nicht weiter sprechen!
Du wüst dich sicher noamoi rächen!“

In unheilvollem Stundentakt
Beginnt der Rache dritter Akt!
Wer hätts gedacht? Noch aner Stund
Tuat d´Hauswartin dem Ferdl kund,
 
Daß für die Sünd do obm, so schwer,
Der Rache nicht genügend wär!
Druaf sogt er miad zur Hausmastrin:
„Waunn i kurz nochdenk, eigentlich bin
 
Ich dener zwa do obm, versteh´s,
Schon goar nimmer so richtig bös!“