Teesdorf

Erstellt am 27. Februar 2019, 02:34

von Teresa Sturm

Rolf Majcen: Durch die Liebe zur Rodel . Rolf Majcen aus Teesdorf, Bezirk Baden, hat in seinem Leben mehrere Treppenläufe weltweit bestritten und dabei einige Weltrekorde eingefahren. Seit einem Jahr erkundet er die schönsten Rodelpisten und hat dabei schon mehr als 150 Abfahrtskilometer hinter sich gebracht.

Im Jahr 2018 ist Rolf Majcen unglaubliche 150 Abfahrtskilometer mit der Rodel gefahren. Heuer setzte er dieses Abenteuer fort und möchte so in Summe 40 Rodelpisten ent-decken.  |  Majcen

Vor ein paar Jahren hat Rolf Majcen begonnen, Chinesisch zu lernen. Über eine Plattform, wo er jemanden gesucht hat, um die Sprache auch zu sprechen, hat er Jin Lan kennengelernt. „Und da hat sich mehr entwickelt“, sagt der Sportler heute.

Rolf Majcen wollte seiner Freundin Jin Lan die Alpen zeigen. Weil sie nicht Ski fahren kann, begannen die beiden mit Rodelsport. Im Bild rodeln sie in Bergün in der Schweiz. Dort sei laut Mjcen „das Rodelmekka“ in den Alpen.  |  Majcen

Majcen ist eigentlich Treppenläufer und hat im Zuge dessen internationale Erfolge gefeiert. Als begeisterter Alpinist wollte er seiner Lebensgefährtin Jin Lan „die Schönheit der Alpen zeigen“. Die kann jedoch nicht Ski fahren: „Und so hatte ich die Idee mit der Rodel.“ Majcen ist mit ihr dann vor etwa einem Jahr auf Tour gegangen und 18 der besten Rodelpisten der Alpen gefahren. Darunter die längsten in Italien, Österreich, Schweiz, berühmte Gebiete wie Grindelwald, Zermatt oder die Dolomiten. „In Summe waren es 150 Abfahrtskilometer“, erzählt Majcen.

„Jeden Meter konnte ich genießen“

Es dauerte nicht lange und der Sport hatte ihn in seinen Bann gezogen. Dafür ist er seiner Lebensgefährtin dankbar: „Wenn sie nicht gewesen wäre, würde ich jetzt noch nicht auf einer Rodel sitzen.“ Wenn der 52-Jährige spricht, ist in jedem Satz seine Begeisterung für Sport zu hören: „Das Faszinierendste ist, dass du den Rausch der Geschwindigkeit spürst. Und wenn dir beim Steuern der Schnee ins Gesicht spritzt.“

Er habe das ideale Material, das sei wichtig, um die Bahn zu beherrschen und die Ideallinie zu finden. „Da geht alles mit Leichtigkeit und ohne Krampf und Furcht. Jeden Meter konnte ich genießen, selbst wenn der Untergrund nicht mehr so optimal war“, so Majcen.

Die perfekte Rodel aus Eschenholz aus der Steiermark

Das ideale Material hat er übrigens deshalb, weil der steirische Rodelbauer Franz Leitner ihn unterstützt hat. Der hat ihm im Vorjahr eine Rodel aus Eschenholz zur Verfügung gestellt.

So wie die Rodel kommt auch Majcen selbst aus der Steiermark. Nachdem er das Studium der Rechtswissenschaften in Graz abgeschlossen hat, ist er nach Teesdorf, Bezirk Baden, gezogen, wo er nach wie vor lebt. Momentan arbeitet er als Jurist in einer Firma in Wien. Sein zeitaufwändiges Hobby würde sich dennoch irgendwie ausgehen. „So oft bin ich nicht in Asien und Amerika. Das ist kein Problem.“ Seinen letzten Treppenlauf etwa absolvierte er in Rom Anfang des Jahres. Dafür brauche es jedoch das „optimale Zeitmanagement“.

Seine Eltern leben nach wie vor in der Steiermark. „Ich versuche, sie so oft wie möglich zu besuchen“, so Majcen. Sie sind es auch, die dem Wahlniederösterreicher die Liebe zum Bergsport mitgegeben haben.

„Das Faszinierendste ist, dass du den Rausch der Geschwindigkeit spürst.“ Sportler Rolf Majcen über die schönen Seiten beim Rodeln

„Die Gene für die Bergwelt sind mir voll übertragen worden“, sagt Majcen lachend. Seine Mutter hat nämlich, als sie mit ihm im dritten Monat schwanger war, den Kilimandscharo bestiegen. Seine Eltern sind, obwohl die beiden schon an die 80 Jahre alt sind, auch nach wie vor noch sportlich aktiv.

Im Zuge der Rodelalpentour, die Majcen sich für 2019 vorgenommen hat, möchte er 22 weitere Rodelgebiete in Österreich, Italien, Deutschland, Schweiz und Frankreich erkunden. In Summe hat er dann die 40 besten Rodelpisten im Alpenraum befahren. Obwohl der Rodelsport es dem Juristen so angetan hat, ist er auch nach wie vor Treppenläufer mit Leib und Seele. Im Frühling geht es zum nächsten Wettkampf. Es wird sein erster in der Türkei sein.

Positive Stimmung durch chinesische Vokabeln

Dass der Familienvater ein Optimist ist, versteckt er keine Sekunde. Das Lernen der neuen Sprache würde ihm jeden Tag positive Energie geben. „Wenn der Flieger sieben Stunden Verspätung hat, ist mir das egal. Dann nehme ich meine Vokabeln her und bin wieder positiv gestimmt. Ich suche in jeder Lebenssituation das Positive.“

Obwohl Majcen gerne mit Superlativen um sich wirft, ist ihm am wichtigsten beim Sport, dass er sich draußen in der Natur bewegen kann: „Es muss kein Sechstausender sein, nicht die geilste Skiabfahrt, nicht die längste Strecke. Es reicht schon, wenn ich ein schönes Spinnennetz im Wald sehe und die Schönheit der Natur. Das reicht auch schon.“