Pläne für Landärzte. VP-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner will Maßnahmen setzen, um leere Arztpraxen zu verhindern.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 09. Januar 2018 (00:23)
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Die Initiative Landarzt NÖ beinhaltet auch die Idee, Kassenordinationen, die keinen Nachfolger finden, von Spitalsärzten vorübergehend betreuen zu lassen.

„Auf höchstem Niveau mit internationalen Standards“ sei laut Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner die medizinische Versorgung in NÖ. Der Umstand, dass es vereinzelt Kassenstellen gibt, die auch nach über 20 Ausschreibungen nicht nachbesetzt werden, sei jedoch nicht zufriedenstellend. Daher startet sie die Initiative Landarzt NÖ.

Kassenstellen, die länger als ein Jahr keinen Arzt gefunden haben und mehrmals ausgeschrieben wurden, sollen durch Allgemeinmediziner von Seiten der NÖ Landesklinikenholding betreut werden – bis ein Nachfolger gefunden ist. Wie das konkret aussehen kann, ist noch offen. Markus Klamminger, medizinischer Geschäftsführer der NÖ Landesklinikenholding, zufolge, gebe es aber zum Beispiel auch Anästhesisten, die zwei, drei Mal in der Woche in Zahnambulatorien der NÖ Gebietskrankenkasse arbeiten würden.

Für Ärzte, die als Landarzt einspringen, soll es Prämien von bis zu 50.000 Euro für die Modernisierung der Praxen geben. Und: Junge Ärzte sollen für besonders schwierige Einsätze (extremes Wetter …) den Rettungsdienst anfordern können.

Mehr Studienplätze für mehr Ärzte

Angedacht sind auch Maßnahmen, um in Zukunft genug Ärzte zu haben. Bis 2020 soll etwa der Vollausbau der Karl Landsteiner Privatuni in Krems abgeschlossen sein. Mit jährlich 75 Absolventen. Weiters: „Wir fordern, die Studienplätze an den Medizinunis aufzustocken“, so Mikl-Leitner in Richtung Bundesregierung. Denn: „Wenn weniger Ärzte ausgebildet werden, fehlen diese in Zukunft“, so Landesrat Ludwig Schleritzko.

Und: „Wir werden die Aktion NÖ studiert Medizin ausweiten“, so Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf. In deren Rahmen Vorbereitungskurse für den Aufnahmetest für die Medizin-Unis angeboten werden. Ab Sommer sollen zudem 60 Lehrpraxisstellen in NÖ zur Verfügung stehen. Die Lehrpraxis ist im Zuge der neuen Medizinausbildung vorgeschrieben.

Was die Krankenkasse zu den Plänen sagt? Seitens der NÖ Gebietskrankenkasse wird betont, dass NÖ in Sachen Allgemeinmedizin gut aufgestellt sei, Vorschläge zur Verbesserung immer zu begrüßen wären, man aber weiter nichts dazu sagen könne, weil man die Details nicht kenne.

Und Niederösterreichs Ärzte? Grundsätzlich seien NÖ-Ärztekammerpräsident Christoph Reisner zufolge Verbesserungen zu begrüßen, aber auch ihm fehlen Infos. Darüber hinaus gibt er zu bedenken, dass ein Arzt in einer Ordination nicht nur Arzt ist, sondern die Ordination auch geführt werden muss. „Man braucht Räumlichkeiten, Personal, Software … Und was passiert damit, wenn ein anderer Arzt die Ordination übernehmen will?“

In Bezug auf die Lehrpraxisstellen verweist er darauf, dass hier auf Bundesebene verhandelt wird. Und: „60 Stellen zu finden, wird nicht so leicht sein.“ Selbst wenn genug Ärzte die Ausbildung haben, um eine Lehrpraxis führen zu dürfen, heißt das nicht, dass jeder einen Platz anbietet.