„Täglich drei Anrufer mit Suizidgedanken“. Unterstützung bei Problemen bekommen Kinder und Jugendliche seit 20 Jahren bei "Rat auf Draht". Im Vorjahr gingen 75.000 Anrufe bei der kostenlosen Hotline ein. „Die Anzahl der Suizid-Beratungen ist alarmierend“, meint Leiterin Birgit Satke.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 09. September 2019 (15:05)
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Symbolbild

147 - diese Nummer können Kinder und Jugendliche seit 20 Jahren wählen, wenn sie ein Problem haben oder Hilfe brauchen. Die Notrufnummer „Rat auf Draht“ wurde am 15. September 1999 gegründet. Und der Bedarf der kostenlosen Beratung durch Psychologen, Lebens- und Sozialberatern, Psychotherapeuten sowie Juristen ist groß: 2018 gab es rund 75.000 Telefonkontakte bei Rat auf Draht.

Die Gründe, warum sich Kinder und Jugendliche hilfesuchend an die Experten wenden sind vielfältig. Immer öfter ist das Team aber auch mit Suizid-Gefährdungen konfrontiert. Die Zahl der Beratungen in diesem Bereich ist im Jahr 2018 um mehr als acht Prozent gestiegen. „Pro Tag melden sich im Schnitt drei Anrufer mit Suizidgedanken. Und dieser Trend setzt sich im ersten Halbjahr 2019 leider fort“, sagt Satke.

Gründe dafür könnten Leistungsdruck in der Schule ebenso wie familiäre Probleme und traumatische Ereignisse sein. Unmittelbar zeigen würden sich die Gedanken in den Anrufen jedoch selten. „Im Gespräch werden nicht selten andere Probleme - etwa in der Schule – vorgeschoben“, berichtet Satke aus ihrer Erfahrung. Erst nach und nach stelle sich dann im Zuge eines ausführlichen Beratungsgesprächs heraus, dass der junge Mensch mit Suizidgedanken zu kämpfen hat.

Weitervermittlung an Krisenzentren und Therapieeinrichtungen

Gemeinsam mit den Betroffenen wird bei dem Telefonat überlegt, wie man schnell Entlastung schaffen könne. „Etwa in dem sich der Jugendliche eine Vertrauensperson im direkten Umfeld sucht“, meint Satke. Auch an Krisenzentren und andere Einrichtungen, die therapeutische Unterstützung anbieten, vermittelt "Rat auf Draht" bei Bedarf weiter. 

Die Beratung, die seit 2013 ein Angebot von SOS-Kinderdorf ist und überwiegend durch Spenden finanziert wird, ist anonym. Anrufe bei 147 scheinen auch in der Telefonabrechnung nicht auf.  „Das ist besonders wichtig bei Themen, die mit Schamgefühlen oder Befürchtungen verbunden sind“, weiß Leiterin Birgit Satke. Besonders wenn sich ein Kind wegen körperlicher, sexueller oder psychischer Gewalt in der Familie an Rat auf Draht wendet, sei das wesentlich, betont die Leiterin.