Bischof Alois Schwarz: „Meine Tür steht für alle offen“. Bischof Alois Schwarz reagiert auf Kritik. In gemeinsamen Gesprächen soll die bessere Einbindung von Frauen und Ehrenamtlichen in die Struktur diskutiert werden.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 14. April 2021 (05:45)
Am Domplatz in St. Pölten wird derzeit viel diskutiert: Anlass dafür ist die geplante Verwaltungsreform der Diözese. Bischof Alois Schwarz sucht sechs neue Ressortleiter: „Es wäre mein Wunsch, dass drei davon Frauen sind.“
Daniel Lohninger; Erich Marschik

Bischof Alois Schwarz will die Verwaltungsstrukturen der Diözese St. Pölten verändern. Doppelgleisigkeiten sollen abgeschafft, die Seelsorge gestärkt und die Verwaltung zeitgemäß werden. Nicht zuletzt geht es auch darum, Kosten in der Verwaltung zu sparen, um die großflächige Zusammenlegung von Pfarren vermeiden zu können. Der Reformprozess geriet zuletzt in die Kritik – wie auch die NÖN berichtete.

So ist in einem offenen Brief der Katholischen Aktion die Rede „von Verunsicherung“ und „fallweise auch tiefen Verletzungen, die im Rahmen des Prozesses geschehen sind“. 67 Ehrenamtliche in Leitungsfunktionen, unter ihnen auch Geistliche, unterzeichneten den Brief. Doch was sind konkret die Kritikpunkte und wie geht der Strukturprozess nun weiter? Der Bischof nimmt dazu erstmals in der NÖN ausführlich Stellung:

Der Reformprozess

Als der Bischof im Juni im NÖN-Interview einen Reformprozess ankündigte, war ihm der Applaus in der Diözese gewiss. Flachere Hierarchien und eine zeitgemäße Organisation sowie eine Aufwertung der Rolle der Frauen waren einige der Ziele. Aber: Das „Wie“ ruft nun Kritiker auf den Plan. Der von einer Beratungsagentur begleitete Prozess laufe intransparent, und unterm Strich passiere nur, was der Bischof vorgebe.

Das lässt der Bischof so nicht stehen: „Sämtliche Grundlagen werden in den Arbeitsgruppen erarbeitet. Diese tagen seit Ende des Vorjahres wöchentlich, legen Aufgaben fest und erarbeiten Lösungsvorschläge.“ Doch wer sitzt in diesen Arbeitskreisen? Es sind insgesamt 20 Mitglieder, die das gesamte Spektrum der Diözese repräsentieren sollen – Geistliche ebenso wie Laien, Männer ebenso wie Frauen, Ehrenamtliche ebenso wie Hauptamtliche. Ausgewählt wurden die Mitglieder nicht von Schwarz, sondern vom diözesanen Lenkungskreis, dem der Bischof vorstand.

Die Einbindung der hauptamtlichen Mitarbeiter

Die größte Änderung sorgt auch für den größten Ärger: die Auflösung der Direktion der Pastoralen Dienste. Die pastorale Arbeit wird in sechs Ressorts mit eigenen Leitern erweitert. In zweiwöchentlichen Leitungskonferenzen sollen künftig die Weichen für Entscheidungen gestellt werden. Trotz dieser Umstrukturierung wird aufgrund der Reform niemand gekündigt, verspricht der Bischof.

Wer die sechs Ressortleiter sein werden, ist noch offen: Die Ausschreibung der Jobs erfolgt demnächst. Nach den Hearings soll im Juni die Besetzung erfolgen – selbstverständlich unter Einbindung des Betriebsrates, betont Schwarz. Der Wunsch des Bischofs wäre es, dass drei der sechs Leiterpositionen von Frauen besetzt werden.

Die Einbindung der ehrenamtlichen Mitarbeiter

Die Katholische Aktion (KA) ist besorgt, dass ehrenamtliche Mitarbeiter in Zukunft in Entscheidungsprozesse nicht oder nur mehr ungenügend eingebunden werden. Der Brief an den Bischof war Ausdruck dieser Verstimmung. Nach einigen Gesprächsrunden haben sich die Wogen nun etwas geglättet. „Das Wichtigste ist derzeit, dass wir miteinander reden und nicht übereinander“, betont KA-Präsident Armin Haiderer.

Den vom Bischof angestoßenen Reformprozess begrüßt er grundsätzlich: „Gerade Corona hat gezeigt, dass Handlungsbedarf herrscht. Das Problem am Prozess bisher war auch nicht die Reform selbst, sondern das Wie.“ Der Bischof verspricht, dass die Reform auch dazu dienen soll, dass Ehrenamtliche in Zukunft sorgsam von der Diözesanverwaltung begleitet werden.

Die Einbindung der Frauen

Eigentlich wollte der Bischof im vergangenen Herbst mit der Einrichtung einer Frauen-Kommission und nun mit der Berufung von Kommunikationschefin Katharina Brandner – als erster Frau jemals in einem Leitungsgremium – in den Diözesanen Führungskreis starke Signale für Frauen in der Diözese setzen. Dennoch sieht er sich nun mit Kritik konfrontiert, er würde Frauen zu wenig in den Reformprozess einbinden.

Anna Rosenberger, die Vorsitzende der Kommission, relativiert aber: „Der Reformprozess ist nicht ganz optimal gelaufen – vielleicht auch corona-bedingt, aber auf alle Fälle zu wenig transparent und nicht einmal die offiziellen Gremien der Diözese mit einbeziehend. Es gab seither aber einige konstruktive Gesprächsrunden mit dem Bischof, und wir haben den Eindruck und die Hoffnung, dass sich der Prozess zum Wohle der Diözese in die richtige Richtung entwickelt.“ Dass die Beteiligung von Frauen vor allem in Führungspositionen in der Diözese unterdurchschnittlich ist, lastet sie nicht Schwarz an: „Das ist wohl eine Folge der schwierigen Geschichte der Diözese.“

Schwarz betont, dass er die Frauenbeteiligung in allen Ebenen der Diözese seit seinem Amtsantritt stärken wolle und auch in jeder Projektgruppe Frauen im Reformprozess mitentscheiden. In keinem einzigen Entscheidungsgremium der Diözese seien in der Vergangenheit Frauen vertreten gewesen. Er wolle das ändern. Rosenberger hofft, dass der Bischof den Worten Taten folgen lässt: „Denn an diesen Taten werden wir ihn messen.“

Der Zeitplan

Bis Pfingsten sollen wichtige Vorarbeiten zur Strukturreform abgeschlossen sein, spätestens im Herbst soll die neue Ressortleitungskonferenz ihre Arbeit aufnehmen. Für Vorschläge sei er stets dankbar, betont Schwarz: „Ich war und bin konstruktiven Anregungen gegenüber immer aufgeschlossen. Meine Tür steht für alle, die das Gespräch suchen, offen.“