Krankenkasse will regional bleiben. Gebietskrankenkasse und Ärztekammer sehen den Sozialstaat gefährdet. Sie fordern Regionalität.

Von Nina Wieneritsch. Erstellt am 12. Dezember 2017 (01:11)
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Durch regionale Partnerschaften könne nah am Patienten gearbeitet werden – mit ein Grund, warum sich NÖGKK und NÖ Ärztekammer vehement gegen die von der Regierung propagierten Pläne zur Zentralisierung wehren.

Regierungspläne, die im Rahmen der aktuellen Koalitionsverhandlungen aufs Tapet gebracht wurden, treiben den Vertretern von NÖ Ärztekammer und NÖ Gebietskrankenkasse (NÖGKK) Sorgenfalten auf die Stirn: „Heute gehört die NÖGKK den Versicherten, morgen vielleicht dem Staat“, befürchtet Obmann Gerhard Hutter und spielt damit auf eine mögliche Zusammenlegung der Kassen an. „Es geht dabei ausschließlich um Macht und Geld, Pro-bleme werden damit nicht gelöst“, wehrt er sich vehement gegen die Pläne.

Man halte regionale Partnerschaften für die beste Lösung. Dietmar Baumgartner, NÖ-Ärztekammer-Vizepräsident und Obmann der Kurie Niedergelassene Ärzte, erklärt: „Wir wissen, wo der Schuh drückt, wo Stellen geschaffen werden müssen und wo diese nicht nachbesetzt werden können.“ Das sei auch der Grund, der gegen eine komplette Leistungsharmonisierung spricht. Hutter ergänzt: „Wir wissen, was in Ober-Grafendorf notwendig ist, die Ärztekammer weiß das und der Bürgermeister auch. In Wien kennen sie nur die Zahlen – wir kennen die Menschen.“

„Wir sind irgendwie ins politische Fadenkreuz geraten – Themenverfehlung!“ NÖGKK-Generaldirektor Jan Pazourek

NÖGKK-Generaldirektor Jan Pazourek verstehe nicht, warum „seine“ Kasse plötzlich als Sanierungsfall dasteht. „Wir sind irgendwie ins politische Fadenkreuz geraten – Themenverfehlung!“ Und weiter: „Die geplanten Eingriffe können das reibungslose Funktionieren unseres Sozialstaats ins Stocken bringen.“ Die NÖGKK regle nämlich nicht nur Gesundheitsbelange, sondern fungiere als wichtige Finanzdrehscheibe, indem sie beispielsweise Sozialversicherungsbeiträge einhebt. Pazourek räumt auch mit angeblichen Mythen auf: Durch die Zusammenlegung würden Verwaltungskosten und Preise steigen – das sei am Beispiel Deutschlands ersichtlich.

Prinzipiell sei man für Veränderungen aber aufgeschlossen: „Wir erwarten solide Vorschläge und Diskussionen, aber nicht die Abrissbirne“, so Pazourek. Probleme, die Gesundheit und Versorgung der Menschen betreffen, gebe es ja genug – etwa morbide Adipositas und Typ-2-Diabetes bei Kindern oder den drohenden Ärztemangel.