Hollabrunn: Die Kirche im Gespräch. Hollabrunns Bürgermeister Alfred Babinsky und Pfarrer Eduard Schipfer sprachen mit dem SONNTAG über das Pfarr- und Gemeindeleben und die Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 04. August 2021 (02:33)
Eduard Schipfer und Alfred Babinsky sind in Hollabrunn gefordert.
Eduard Schipfer und Alfred Babinsky sind in Hollabrunn gefordert.
Sophie Lauringer

Die Fahrt nach Hollabrunn führt durch das hügelige Weinviertel. Fast hofft man, den beliebten Gendarmen Polt der gleichnamigen Krimireihe von Alfred Komarek auf seinem Fahrrad, gemütlich das Land erkundend, zu erspähen. Ja, hier ist es idyllisch, aber Hollabrunn liegt mitten im Speckgürtel von Wien. Das sieht der Gast sofort bei der Einfahrt in die Stadt, wenn es vorbei geht am schmuck renovierten Brückenheiligen Nepomuk: Die hohen Baukräne wirken wie Fremdkörper über der Kleinstadt.

„Hollabrunn wächst“, sagt Bürgermeister Alfred Babinsky beim Frühstück in seinem Büro. Er hat aktuell Anfragen von zwölf Familien, die hierher ziehen wollen. Einer, der in der Kleinstadt schon heimisch wird, ist Pfarrmoderator Eduard Schipfer. Er wird freundlich gegrüßt, als er das Rathaus betritt. Man kennt einander in der Bezirkshauptstadt mit ihren knapp 12.000 Einwohnern. Bürgermeister und Seelsorger sind jeweils das zweite Jahr im Amt.

Beide verbindet die intensive Sorge um die Bevölkerung während der Corona-Pandemie. Zu 23 Krankensalbungen wurde Schipfer gerufen: „Da habe ich Corona hautnah erlebt.“ Die Stadt hat besonders die Nachbarschaftshilfe gefördert. „Hollabrunner helfen Hollabrunnern“, sagt Babinsky und betont: „Pfarre und Gemeinde waren nie geschlossen, wir waren aber schon sehr gefordert.“

Jetzt erholt sich der Ort wieder – wirtschaftlich und sozial. Die Erstkommunion wird gefeiert, viele Taufen werden nachgeholt, die Betriebe öffnen. Im Ort gibt es vor allem klein- und mittelständische Unternehmen. In der Stadt finden sich E-Ladestationen, ausgebaut werden sollen auch Schnellradwege.

Das Reden und Zuhören ist beiden ein Anliegen. So gibt es zum regen Vereinsleben im Ort, in das der Pfarrmoderator noch hineinwachsen will, viel Bürgerbeteiligung. Schipfer führt das „Café Zeitreise“ für Angehörige von Demenzkranken fort. Bürgermeister und Pfarrmoderator wissen, welche Aufgaben sie haben, und beide sind Freunde der kurzen Wege.

Konkurrenz gebe es da nicht, vielmehr meint Alfred Babinsky: „Ich denke, wir sind ein tolles Team.“ Eduard Schipfer nickt und grüßt auf seinem Heimweg den Mitarbeiter des Standesamtes. Man kennt einander in Hollabrunn.