65.000 Landsleute sind alkoholkrank

Erstellt am 30. Juni 2022 | 05:35
Lesezeit: 3 Min
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Partykick, Einschlafhilfe oder „Problemlöser“: Bis zu 365.000 Menschen in NÖ trinken zu viel.
Foto: Unsplash/Akyurt
Das Kulturgut und Zellgift Alkohol kann Menschen und Beziehungen zerstören.
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Wenn Alkohol teurer ist, trinken ihn weniger. Davon geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus. Sie pocht auf Mindestpreise und stärkere Besteuerung. Das würde auch die Volkswirtschaften stärken, sagen die Experten. Denn der übermäßige Konsum führe zu Gesundheitsausgaben sowie Kosten durch Einkommens- und Produktivitätsverluste.

Gefährlicher Alkohol-Konsum betrifft in NÖ bis zu einem Fünftel der Bevölkerung. 65.000 Menschen gelten hierzulande als schwer alkoholabhängig. Weitere geschätzte 300.000 Personen haben einen „gefährlichen Konsum“. Alkoholabhängigkeit geht als schwere chronische Erkrankung einher mit umfassendem Kontrollverlust, der Alltag, Beruf und Familie beeinflusst.

Männer sind vier Mal häufiger alkoholkrank als Frauen, sagt der NÖ-Suchtbeauftragte Christian Korbel. Aber: „Frauen holen auf.“ Die Trinkmenge liege seit Jahrzehnten stabil bei 10 Liter reinem Alkohol pro Jahr und Kopf. 24 Gramm Alkohol pro Tag, also zwei Halbe Bier, gelten bei Männern als Höchstmenge für kaum und keine gesundheitlichen Auswirkungen, 11 Gramm für Frauen. Mindestens an zwei Wochentagen sollte man aber nicht trinken.

Ein Problem ist, dass man bis heute ein Außenseiter ist, wenn man in Gesellschaft ein Glas ablehnt NÖ-Gesundheitsökonom Bernhard Rupp

Der NÖ-Gesundheitsökonom Bernhard Rupp arbeitete an einer Untersuchung der volkswirtschaftlichen Aspekte von Alkoholkrankheit mit. Die Forscher hielten fest, dass diese dem Staat 2011 374 Millionen Euro kostete – 1,4 % der Gesamtkosten des Gesundheitssystems. Hinzu kommen Ausgaben für Krankengeld oder Frühpensionierungen. Beim Gegenrechnen der alkoholbedingten Steuereinnahmen und Ausgaben überwogen die Kosten den Nutzen.

Gegen missbräuchlichen Konsum müsse man was tun, sagt Rupp, wenngleich Genuss nicht verteufelt werden dürfe. Die Preise hochzuschrauben, greife zu kurz und könne sogar schädliche Auswirkungen haben, wenn dadurch illegale Spirituosen getrunken werden. Vielmehr brauche es ein Maßnahmen-Bündel. Ansetzen müsse man etwa bei der Kultur. „Ein Problem ist, dass man bis heute ein Außenseiter ist, wenn man in Gesellschaft ein Glas ablehnt.“

Für Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig müsse eine allfällige Preiserhöhung EU-weit akkordiert werden und dürfe nicht über das Ziel hinausschießen. Sonst drohe illegaler Handel.