Lässt sich Wahlverhalten neurologisch ahnen?. Johannes Passecker aus Waidhofen an der Ybbs ist kognitiver Neurowissenschaftler an der Medizinischen Universität Wien und Blogger.

Erstellt am 10. Oktober 2017 (01:28)
Johannes Passecker 
zVg

Theoretisch ja, es gibt auch unter anderem eine interessante Studie zu diesem Thema. Wissenschaftler haben bei konservativ eingestellten Personen eine vergrößerte Amygdala gefunden. Dieses Areal des Gehirns regelt den Einfluss von Emotionen und Ängsten auf unsere täglichen Entscheidungen. Es erscheint auch durchaus logisch, dass konservative Politik, die den Status quo eher halten will und ein erhöhtes Sicherheitsgefühl verspricht, jene Wähler mehr anspricht.

Im Vergleich dazu hatten liberal eingestellte Wähler einen vergrößerten anterior cinguli. Dieses Gehirnareal beschäftigt sich mit der konstanten Evaluierung von Unsicherheiten und Konfliktsituationen für rationale Entscheidungsprozesse. Dies lässt den Rückschluss zu, dass Personen mit einem vergrößerten und aktiveren pars anterior gyrus cinguli eine höhere Toleranzgrenze für eine ungewisse Zukunft haben und daher eher zugänglich für liberalere Motive sind.

Selbstverständlich ist die Sache komplexer, weshalb sich viele Parteien und Regierungen von Teams beraten lassen, um neueste neurowissenschaftliche Erkenntnisse in ihre Strategien zu integrieren.

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