Schwarzenberger: Warum zahlen wir „freiwillig“ Steuern?. Herbert Schwarzenberger ist Studiengangsleiter für den Masterstudiengang Betriebswirtschaft und Wirtschaftspsychologie an der Ferdinand Porsche FernFH in Wiener Neustadt.

Erstellt am 09. Januar 2018 (01:32)
Stephan Huger

Die Wirtschaftspsychologie beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, warum wir Steuern bezahlen bzw. hinterziehen. Grundsätzlich muss man sagen, dass wir dabei ehrlicher sind, als aus rein ökonomischen Gesichtspunkten zu erwarten wäre.

Es geht dabei nicht nur um kühle Abwägungen zwischen möglicher Ersparnis und resultierender Strafe, und daher sind auch nicht nur Aspekte wie Steuersatz, Strafen oder Kontrollen relevant. Auch Einstellungen, Motive und Emotionen spielen eine wesentliche Rolle. Zwei zentrale Faktoren sind Vertrauen und Macht. Sie erzeugen unterschiedliche Formen der Kooperation: Freiwillige, wenn das Vertrauen in die Organe und den Einsatz der Mittel ausgeprägt ist. Erzwungene, wenn das System hingegen Macht und Autorität ausstrahlt.

In diesem Fall werden Schlupflöcher ausgenutzt, sobald diese gefunden werden. Wenn Steuern sinnvoll und effizient eingesetzt und die Behörden unterstützend erlebt werden, verstärkt das eindeutig die freiwillige Steuerehrlichkeit. Sind weder Vertrauen noch Macht sichtbar, werden die Bürgerinnen und Bürger geradezu zur Hinterziehung ermutigt.