Woher kommt der Einhorn-Mythos?. Der Einhorn-Mythos hat seinen Ursprung vermutlich im indischen Heldenepos Mahabharata aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., das von einem Einsiedler erzählt, der halb Mensch und halb Gazelle ist und ein Horn auf der Stirn trägt.

Erstellt am 19. Juni 2018 (01:42)
zVg
Gabriele Schichta ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Realienkunde des Mittelalters und der Frühen Neuzeit in Krems und beschäftigt sich mit deutscher Literatur des Mittelalters.

Der griechische Arzt und Historiker Ktesias von Knidos übernimmt das um 400 v. Chr. in seine Beschreibung Indiens, die sich rasch im griechischen Kulturraum verbreitet – Alexander der Große soll ebenso zu ihren Lesern gezählt haben wie sein Lehrer Aristoteles, der das monókeros in einer zoologischen Abhandlung erwähnt.

Da Aristoteles in den folgenden Jahrhunderten als absolute wissenschaftliche Autorität gilt, verbreitet sich das Wissen vom Einhorn nun unaufhaltsam in Europa und wird im Laufe der schriftlichen Überlieferung immer mehr mit Details angereichert. Am nachhaltigsten geschah das im Physiologus („Naturforscher“), einem christlich-naturkundlichen „Bestseller“ aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., der das Einhorn als kleines wildes Tier beschreibt, das nur mithilfe einer keuschen Jungfrau zu fangen ist und dessen Horn magische Heilkräfte hat: die Basis für eine lange Karriere als (christliches) Symboltier.

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