Jachan: „Du fängst alleine an, und viele ziehen mit“

Erstellt am 04. Dezember 2019 | 02:31
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Schon 2017 verteilte Georg Jachan Lebensmittel in ärmeren Ländern, wie hier in Mossul im Irak. Am 7. und 14. Dezember können Bananenschachteln mit haltbaren Lebensmitteln in der Seilergasse 17 in Gföhl zwischen 13 und 18 Uhr abgegeben werden. Die Spenden kommen den „vergessenen Menschen in Rumänien“ zugute.
Foto: : Hanna Noori
Der Waldviertler Georg Jachan war schon in Syrien, der Ukraine, dem Irak oder in Rumänien unterwegs, um Menschen zu helfen. Momentan sammelt er wieder Kartons voller Lebensmittel.
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„Ich mache jetzt nur noch Sachen, die einen Sinn machen“, sagt Georg Jachan mit überzeugter Stimme. Der 49-Jährige hilft … und zwar, wo er kann. Als in Nickelsdorf im Burgenland im Jahr 2015 so viele Geflüchtete angekommen sind, habe auch er dort begonnen zu helfen. Zuerst als Übersetzer, dann als „Mädchen für alles“, wie er es selbst nennt.

„Davor war ich eher sozial unauffällig“, sagt der Gföhler heute. Mittlerweile verteilt er seit einigen Jahren Lebensmittel, aber auch wichtige Utensilien wie Rollstühle in Länder, wo die Menschen weniger Glück als er selbst haben. Dafür war er am Balkan, um etwa Babynahrung zu transportieren, in der Ukraine half er, ein Waisenhaus zu sanieren. Auch im Irak und in Syrien war Jachan mit Medikamenten und Lebensmitteln unterwegs und begab sich dabei selbst in Gefahr.

„Die waren ganz begeistert“

So haben die Soldaten bei den Checkpoints im Irak etwa nicht damit gerechnet, dass er lebend wieder zurückkommen würde. „So einen Wahnsinnigen wie mich haben die noch nie kennengelernt. Die waren ganz begeistert“, erzählt der Abenteurer lachend.

Sein Leben zu riskieren, ist es dem Waldviertler wert, wenn er dafür helfen kann. Begeistert und dankbar zeigt er sich von den vielen Helferinnen und Helfern und den Menschen, die seit Jahren für seine Projekte spenden: „Du fängst alleine an, und viele ziehen mit.“

Vom Leibwächter zum Helfer

Jachan ist gebürtiger Gföhler, Bezirk Krems. Nach der AHS-Matura habe es ihn ins Ausland gezogen. Nachdem er zwei Jahre in Thailand verbracht hatte, wo er Thaiboxen lernte, arbeitete er einige Zeit lang als Leibwächter für die saudiarabische Königsfamilie. Durch diese Arbeit lernte er die arabische Sprache, die ihm nun bei seinen Auslandseinsätzen hilft. Danach war Jachan 15 Jahre als Exekutivbeamter tätig.

Menschen sind nicht die einzigen Lebewesen, deren Hilfe er sein Leben verschrieben hat. Mit ihm und seiner Frau leben in Gföhl um die hundert Reptilien. Er leitet den Verein zum Schutz exotischer Reptilien und Amphibien. Bereits im Alter von acht Jahren besaß er seine erste Schlange. Oft wird er als Reptilienexperte hinzugezogen, wenn Tiere einfangen werden müssen. Momentan sei er aber dabei, die viele Arbeit mit den Tieren zu reduzieren. Durch einen Unfall kann er derzeit nur mit Krücken gehen. Seine Hilfsprojekte betreut er dennoch weiter und koordiniert viel von daheim aus.

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Über Medien und Facebook kommuniziert er, wenn er Hilfe braucht und wann und wo gespendet werden kann. Momentan sammelt er Lebensmittelspenden, um diese nach Rumänien zu bringen. Bei seiner Arbeit wird er immer wieder von unterschiedlichen Organisationen wie dem Roten Kreuz oder der Pfarre Gföhl unterstützt. „Ich habe das Gefühl, dass ich was bewegen kann“, erklärt Jachan seine Motivation. Und sobald wird er seine Hilfsprojekte nicht aufgeben: „Solange ich kann, tue ich!“