Erstellt am 20. November 2018, 03:25

von Teresa Sturm

Manuela Marosevic: „Du spürst viel Liebe“. Wenn Eltern ihr Kind verlieren, gibt es nicht viel, das Trost spenden kann. Sternenkindfotografen versuchen, zumindest eine Erinnerung zu schaffen. Manuela Marosevic ist eine von ihnen.

Fotografin Manuela Marosevic ist auf der Plattform dein-sternenkind.eu gemeldet. Dort können Eltern von Sternenkindern schnell einen Fotografen in der Nähe anfordern, damit sie eine Erinnerung an ihr tot geborenes Kind haben. Der Verein „Pusteblume“ bietet für Sternenkinder kleine Decken, Hauben und Strampler an (siehe Bild).  |  Teresa Sturm

„Der Tod hat seinen Schrecken für mich verloren, seit ich die Hand eines sterbenden Familienmitgliedes gehalten habe“, sagt Manuela Marosevic mit nachdenklicher, aber kräftiger Stimme. Seit sie ihr erstes von drei Kindern auf die Welt gebracht hat, beschäftigt sich die 41-Jährige mit dem Thema Totgeburt.

Sternenkinder, Schmetterlingskinder oder Engelskinder nennt man Kinder, die kurz vor ihrer Geburt oder kurz danach verstorben sind. Dass es immer noch ein Tabuthema ist, wenn Eltern ihre Babys verlieren, merkt man auch daran, dass erst seit Ende des Jahres 2014 alle Sternenkinder in Österreich in das Personenregister aufgenommen werden. Für Kinder unter 500 Gramm war das bis dahin nicht der Fall.

Große Hilfe für Eltern in schwieriger Situation

„Früher sind die Sternchen einfach entsorgt worden“, ist Marosevic immer noch schockiert. Die Berufsfotografin wollte Eltern in der verzweifelten Situation irgendwie helfen. Da ist sie auf die Plattform „Dein Sternenkind“ gestoßen.

Die Organisation wurde Anfang 2013 gegründet und macht für Eltern, die entweder ein bereits totes Baby auf die Welt bringen müssen oder denen der Tod des Neugeborenen bevorsteht, Erinnerungsfotos. „Über eine App am Handy geht dann ein Alarm los, wenn ein Fotograf gebraucht wird“, erklärt Marosevic, die eine der etwa 50 ehrenamtlichen Sternenkindfotografinnen auf der Plattform in Österreich ist, wie das System funktioniert.

Die Aufgabe, die Kinder zu fotografieren, habe sie sich vor ihrem ersten Auftrag schlimmer vorgestellt, als es war. „Du gehst hinein und spürst so viel Liebe. Trauer auch. Aber so viel Elternliebe. Man kann das gar nicht beschreiben“, schildert Manuela Marosevic die Situation, wenn sie ein „Sternchen“, wie sie die Kinder liebevoll nennt, fotografiert.

Einziges Foto als Erinnerung an das Sternenkind

Warum so viele Eltern die Dienste von Sternenkindfotografen in Anspruch nehmen, erklärt Marosevic: „Es ist der einzige Beweis. Es sind die einzigen Fotos von deinem Kind. Das ist für die Eltern wichtig.“

Marosevic ist in Mödling aufgewachsen. Mit ihrem Mann und den drei Söhnen wohnt die studierte Betriebswirtin nun in Gießhübl, Bezirk Mödling. Fotografiert hat sie schon immer gerne.

Vor ein paar Jahren hat sich die 41-Jährige daher selbstständig gemacht. Ich möchte auch einmal ‚Danke‘ sagen. An alle Kolleginnen und Kollegen, die das so viel öfter machen als ich.“

Das jüngste Kind der Fotografin ist drei Jahre alt. Wenn der Kleine größer ist, wird sie auch selbst wieder mehr fotografieren. Die privaten Familienfotos sind mehrfach auf Festplatten gesichert, denn „wenn du mir meine Fotos nimmst, dann nimmst du mir meine Seele“.