Eine weiße Seltenheit auf Schloss Hof. Auf Schloss Hof werden alt-österreichische Tierrassen, wie beispielsweise weiße Barockesel, gezüchtet.

Von Carina Rambauske. Erstellt am 23. Mai 2018 (01:56)
Erst zwei Wochen alt und schon munter auf den Beinen: das kleine Hengstfohlen Maximilian von Schloss Hof mit Eselmama Sissi. In Kürze wird auf dem Gutshof noch ein weiteres Fohlen sowie ein Nachzügler im Juli erwartet.
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Da staunten nicht nur die Gäste: Als Tierpfleger von Schloss Hof am 8. Mai an der Koppel vorbeigingen, gebar die Eselstute Lotte vor den Augen aller gerade die kleine Luise. „Das ist wirklich eine Seltenheit! Normalerweise kommen die Fohlen eher nachts, wenn alles ruhig ist“, erzählt Katharina Zoufal, Abteilungsleiterin des Tierbereichs, begeistert.

Einen Tag zuvor erblickte das Hengstfohlen Maximilian das Licht der Welt. Zusammen mit 17 anderen Eseln auf Schloss Hof gehören sie der seltenen Rasse der österreichisch-ungarischen weißen Barockesel an, die Ende 2016 als einzige Eselrasse Österreichs anerkannt wurde. Weltweit gibt es nur mehr wenige hundert Exemplare davon.

Weiße Tiere galten als "Lichtbringer"

Die klugen und gutmütigen Tiere mit den blauen Augen waren schon bei den Kindern der Habsburger äußerst beliebt. Da die Farbe Weiß in der Barockzeit einen besonderen Stellenwert einnahm, hatte jeder, der etwas auf sich hielt, weiße Tiere. Sie galten als „Lichtbringer“ und standen für das Gute. Tatsächlich ist die Farbe aber eher hellgelb und nennt sich cremello. Zusammen mit über 200 anderen Tieren alt-österreichischer Rassen bewohnen die weißen Vierbeiner den Gutshof, der „schon immer das Herzstück von Schloss Hof war“, schildert Birgit Lindner, Leiterin des Gästeservice.

1725 wurde das Areal von Schloss Hof von Prinz Eugen von Savoyen erworben. Dieser beauftragte Johann Lucas von Hildebrandt, einen repräsentativen Jagdsitz zu errichten. Der Gutshof diente der Versorgung des fürstlichen Haushalts mit Lebensmitteln, der Haltung und Versorgung der Tiere sowie der handwerklichen Instandhaltung. Heute muss der Gutshof – bis auf Honig und Eier – seine damalige Funktion als „Kühlschrank des Schlosses“, das 2002 revitalisiert wurde, nicht mehr erfüllen, sondern lässt mit seinen tierischen Bewohnern, der Orangerie und den unterschiedlichen Nutzgärten das bäuerliche Leben der Barockzeit nachempfinden.