Der „47er“ mit dem Gespür für den Wein. Die Familie Schwertführer lebt mit dem Wein und liebt den Wein. Das Ergebnis: Sortentypische Spitzenweine und zahlreiche Prämierungen. Unter anderem zu Niederösterreichs Weingut des Jahres.

Von Christiane Buchecker. Erstellt am 30. September 2017 (04:06)
Schwertführer
1988 hat Martin Schwertführer seine erste eigene Ernte eingebracht und diesen besonderen Chardonnay gekeltert.

Martin Schwertführer, der Chef im Weingut 47er aus Sooß, kommt von seiner Kontrolltour durch die Weingärten zurück. Er lächelt, ist zufrieden, denn: „Das Traubenmaterial ist perfekt.“ Dem Beginn der Lese in der ersten Septemberwoche, zwei Wochen früher als in den letzten Jahren, steht nichts mehr im Wege.

Im Hof des Gutes mit der Hausnummer 47 (daher auch der Name) ist der Familientisch der perfekte Platz, um über das Leben und das Leben mit und für den Wein zu sprechen. Der Blick fällt auf prächtige Oleander, Kistl mit Pelargonien sind rote Hingucker. Schön ist es hier, auch das angrenzende Heurigenlokal. Samstag und Sonntag können sich die Gäste hier niederlassen und hausgemachte Schmankerln und Schwertführer-Tropfen verkosten. Und die vinophilen Kunden können dabei aus dem Vollen schöpfen und aus über 40 Sorten wählen: vom bekömmlichen Neuburger, dem gebietstypischen und extraktreichen Rotgipfler bis hin zum dichten und fruchtbetonten Zweigelt.

Christiane Buchecker
Weingärten rund um den Sooßer Lausturm, der zum Dank für die Besiegung der Reblaus errichtet wurde. Sooß gehört mit einer Rebfläche von 156 Hektar zum Weinbaugebiet Thermenregion.  Fotos:

Allesamt sind die ausgezeichnet, viele prämiert. So war das Weingut Schwertführer heuer mit drei Weinen im Salon Österreich vertreten, wobei der Zweigelt Alte Reben 2016 zum Bundessieger gekürt wurde. Bei der Prämierungsweinkost Thermenregion stellte man drei Sortensieger und die Winzerfamilie wurde bei der NÖ Landesweinmesse zum Weingut des Jahres 2017 gewählt. Vier Finalweine (zwei Weiße und zwei Rote) sowie der Landessieger mit dem Riesling Eiswein 2016 waren dafür ausschlaggebend.

Schwertführer
Als Achtjähriger hat er schon beim Heurigen der Eltern gekellnert.

Diese Erfolge sind natürlich Bestätigung seiner und der Familie (Gattin Regina, die drei Töchter Anna, Stefanie und Katharina und die 80-jährige Mutter Adelheid und der Vater Johann) Arbeit. „Doch das Wichtigste ist das Urteil der Gäste, die unseren Wein trinken“, weiß Schwertführer.

Und die mögen die 47er Weine, kommen sie ja oftmals eigens nach Sooß, um sich ihren Privatkeller wieder mit Schwertführer-Weinen aufzufüllen. „Wir verkaufen alle unsere Weine ab Hof und brauchen keine Händler“, sagt er nicht ohne Stolz. Und: „Somit sind nicht nur unsere Weine exzellent, exzellent ist auch das Preis-Leistungs-Verhältnis: Trotz der Auszeichnungen sind unsere Tarife nicht abgehoben.“

Martin Schwertführer wusste schon sehr früh, was er will: Mit 16 hat er sich vom Ersparten seinen ersten Weingarten gekauft, mit 18 folgten zwei weitere. Er beendete die Weinbauschule in Gumpoldskirchen und wurde mit 21 zum jüngsten Kellermeister. Sein Motto von Anfang an bis jetzt: „Weinhauer sein ist zwar viel Arbeit, aber es ist ein lebens- und liebenswerter Beruf.“ Und so macht es dem 47-Jährigen auch nichts aus, bei der Lese mit seinen Leuten und der hauseigenen Lesemaschine um vier Uhr früh auszurücken.

Christiane Buchecker
Prämierte Gaumenfreude: die Weine des Weingutes 47er Schwertführer. Infos unter www.47er.at

Denn: „Der richtige Lesezeitpunkt ist das Um und Auf. Bei den Weißen muss es kühl sein.“ Natürlich wurde vorher in den Weingärten händisch entblättert und vorselektiert. Sind die Trauben dann im Keller – zwei Pressen sorgen dafür, dass es auch in dieser Phase zu keinen Zeitverzögerungen kommt – wird präzise und sauber weitergearbeitet, mit dem richtigen Gespür für den richtigen Zeitpunkt und den Wein. Das Ergebnis: Weine, die mit Sortenaromatik, Mundfülle, Bekömmlichkeit und Frucht zu überzeugen wissen.

„2017 ist das beste Jahr meines Lebens: Die vielen Prämierungen, wir haben Silberhochzeit gefeiert und mein zweites Buch (Anm.: „Einfach männlich“) ist erschienen“, fasst Schwertführer zusammen. Die Gedichte schreibt er in der Nacht, wenn es ruhig geworden ist am Gut. Ein Glas 47er darf dabei natürlich nicht fehlen.

 

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