Auf der Wacht und in der Nacht. Zuerst muss es dunkel werden. Oder zumindest dämmrig. Schließlich hat der, der da um 7, um 8 oder am besten erst um halb 10 seine Schäfchen um sich schart, die „Nacht“ schon im Namen. Und die Taschenlampe in der Hosentasche. Darüber ein reinweißes Rüschenhemd. Einen nachtschwarzen Umhang. Einen Dreispitz am Kopf. Und jede Menge Geschichten im Gepäck.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 19. Juni 2018 (01:01)
Retzer Land
Der erste (mittlerweile verstorbene) Nachtwächter, der in Kostüm und Hellebarde durch Österreichs kleinste Stadt Hardegg führte: Baldur Sprung.

Wie die von den Pulvermühlen zur Schießpulverherstellung, durch die zweimal fast die halbe Stadt abgebrannt war. Oder die vom eisernen Stadttor, das eine „Herde angeheiterter Nachbarsbürger“ frech und frei als Zeche eingesetzt hatte. Oder die vom Burggrafen, der mit seinem Kaiser nach Mexiko gereist und mit dessen Leichnam im Gepäck wieder zurückgekommen war.

„Bei uns geht es fast ausschließlich um Geschichte“, erklärt Andreas Nikolai. Der (nebenberufliche) Nationalparkranger wird diesen Samstag seine ersten Nachtgeschichten erzählen. Als Nachtwächter im Waldviertler Grenzstädtchen Hardegg. Dort führt schon seit gut zehn Jahren ein paar Mal im Jahr ein Nachtwächter durch die Stadt, von der Thayabrücke über den Burgberg bis zur Hammerschmiede, wo, davor oder danach, ein Nachtwächtermenü auf die Spaziergänger wartet.

Aber: Gewacht wird in Niederösterreich aber auch anderswo. In der Türme-Stadt Waidhofen an der Ybbs, in der Kuenringer-Stadt Weitra, in der Weinstadt Retz, in der Prandtauerstadt St. Pölten, und da gleich mit dem stadtbekannten Harlekin (nächster Termin: 19. Juli), in der Kaiserstadt Baden (nächste Termine erst im Herbst) oder in der Mittelalterstadt Krems (am 22. Juni).