Jeder Zweite vermisst Pflegeangebot in Städten. Der bevorstehende Städtetag steht im Zeichen der Pflegedebatte. 69 Prozent sind für eine staatliche Pflegeversicherung.

Erstellt am 29. Mai 2018 (16:56)
Symbolbild
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Die künftige Pflege bereitet den Österreichern gröbere Sorgen. Vor allem, weil viele kaum mehr mit Betreuung im Familienkreis rechnen. 46 Prozent der Befragten fühlten sich bei einer Untersuchung des Sora-Instituts im Auftrag des Städtebundes schlecht abgesichert. Je jünger die Befragten, umso größer ist die Sorge.

Der österreichische Städtebund, in dem unter anderen auch Niederösterreichs Landeshauptstadt St. Pölten mit Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) vertreten ist, sieht mit der Betreuung pflegebedürftiger Menschen ein immer größer werdendes Problem auf die Kommunen zukommen. Beim jährlichen Städtetag – heuer von 8. Bis 10. Juni in Feldkirch in Vorarlberg – bildet daher das Thema Pflege einen Schwerpunkt.

Erst vor kurzem ist es gelungen, dass Bund und Länder einen Kompromiss erzielen, mit dem aus dem Bundesbudget bis zur 340 Millionen Euro für heuer für Länder und Gemeinden bereitgestellt werden. Dadurch wird der Ausfall an Einnahmen nach der seit heuer geltenden Abschaffung des Pflegeregresses für Heimbewohner kompensiert.

Lieber staatliche Versicherung zur Finanzierung der Pflege

Dauerbrenner bei der Pflege ist die Finanzierung. In der Sora-Umfrage für den Städtebund sprachen sich 69 Prozent der Befragten für eine eigene staatliche Pflegeversicherung aus. Das steht allerdings den Bestrebungen der Versicherungswirtschaft entgegen, die zunehmend private Angebot für eine Pflegeversicherung anbieten. Auf politischer Ebene gab es bisher vor allem Befürworter, dass mit Zuschüssen aus dem Bundesbudget und damit mit Geld der Steuerzahler die Kostensteigerungen im Pflegebereich abgefangen werden.

Fast die Hälfte der Befragten fürchtet um die Absicherung im Pflegefall. Besonders groß ist laut Sora-Umfrage die Sorge bei Unter-29-Jährigen. Allerdings sieht sich umgekehrt mit 46 Prozent der Befragten ein gleich hoher Anteil der Bevölkerung gut für den Pflegefall abgesichert.

77 Prozent befürchten „Zusammenbrechen“ der Pflege

Nur knapp die Hälfte der städtischen Bevölkerung, exakt sind es 46 Prozent, hält die Angebote zur Pflege derzeit für ausreichend. Besonders groß sind die Befürchtungen, dass es ohne Mithilfe ausländischer Pflegekräfte nicht gehen wird. Vor allem aus Osteuropa sind viele Pflegerinnen in der 24-Stunden-Betreuung von hilfsbedürftigen Menschen in deren eigenen vier Wänden im Einsatz. 77 Prozent der Befragten gaben an, ohne ausländische Pflegekräfte würde die Pflege in Österreich „zusammenbrechen“.

Im Rahmen des Sora-Städtebarometers gaben 16 Prozent an, selbst einen Pflegefall in der Familie zu haben. Drei Prozent erklärte, sie seien selbst auf Pflege und Betreuung angewiesen. Meist helfen die Familie oder Angehörige (59 Prozent). 51 Prozent nützen in Städten mobile Pflegeangebote. In rund jedem zehnten Fall war 24-Stunden-Hilfe notwendig, wobei Mehrfachnennungen bei den Antworten möglich waren.