Viele können nicht mehr schwimmen

Erstellt am 10. Mai 2022 | 20:00
Lesezeit: 3 Min
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Die Wasserrettung im Einsatz: Besonders Fließgewässer sind gefährlich, Strömungen und Strudel können gerade ungeübten Schwimmern schnell zum Verhängnis werden. Die Wasserretter bereiten sich sehr intensiv auf Einsätze in Fließgewässern vor.
Foto: Wasserrettung/ Landesverband NÖ
Auch die Wasserrettung rüstet sich für die Badesaison. Präsident Markus Schimböck warnt vor Unaufmerksamkeit.
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Wie gut schwimmt Österreich? Laut einer Untersuchung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) aus dem Vorjahr können rund 7 bis 8 Prozent der Bevölkerung nicht schwimmen, das sind zwischen 600 und 700.000 Personen. Weitere zwanzig Prozent schätzen ihre Schwimmkenntnisse als unsicher bis mittelmäßig ein.

„Die Leute können heute schlechter schwimmen als früher, wir haben hier ein qualitatives Problem“, bestätigt Markus Schimböck, Präsident des Landesverbandes NÖ der österreichischen Wasserrettung, die oben genannten Zahlen.

Ein Thema, über das man in diesem Zusammenhang reden müsse, sei die Möglichkeit, überhaupt schwimmen zu lernen. „Kurse bieten alle an, wir als Wasserrettung, das Rote Kreuz und weitere Organisationen, aber es braucht auch die Infrastruktur. Zum Beispiel Schwimmhallen beziehungsweise verfügbare Bahnen in den Hallen. In St. Pölten haben wir da kein Problem, im Waldviertel wird es schon schwieriger“, sagt Schimböck.

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Markus Schimböck, Präsident des Landesverbandes der Wasserretter.
Foto: Wasserrettung/ Landesverband NÖ

Jährlich ertrinken in Österreich laut KFV zwischen 22 und 47 Personen, davon bis zu fünf Kinder unter 15 Jahren. Als Ursachen dafür benennt Schimböck zum einen, dass viele Menschen sich überschätzen und nach langem Sonnenbad ins Wasser springen. „Auch Alkohol ist ein Problem, vor allem bei den Jüngeren.“ In Naturgewässern wie Flüssen und Seen werde oft die Gefahr, die von Strömungen ausgeht, unterschätzt. „Schwimmer, die in einem Fluss untergehen, sieht man auch nicht mehr unter Wasser“, warnt der Retter.

Private Pools vor allem Gefahr für Kinder

Besonders in privaten Pools passiere viel, gerade Kinder seien hier gefährdet. „Jeder glaubt, dass der andere auf die Kinder schaut, und dann bemerkt niemand, wenn ein Kind untergeht.“ Es sei wichtig, immer eine konkrete Person zu benennen, die beim Plantschen im Pool die Kleinen im Auge behalte. Immerhin ein Drittel aller Badeunfälle passiert im privaten Bereich.

Ablenkung ist eine weitere Gefahrenquelle – und hier rangiert das Mobiltelefon als Ursache ganz weit oben. Bei seinen Diensten am Ratzersdorfer See in St. Pölten beobachtet Schimböck oft Eltern, die in großer Entfernung von ihren Kindern am Smartphone herumwischen. „Bei Kleinkindern müssen sie aber direkt daneben stehen, da ist ein Abstand von zehn Metern schon zu viel“, mahnt Schimböck die Aufsichtspflicht ein. Kleinkinder bis zum Alter von drei Jahren sind am häufigsten von Ertrinkungsunfällen betroffen, auch, weil sie lautlos untergehen. „Und verlassen sie sich nicht auf Schwimmhilfen“, rät der Wasserretter, „es handelt sich nur um Hilfen.“

Aufgrund der Coronapandemie hat sich der Anteil jener, die gar nicht mehr schwimmen gegangen sind, mehr als verdoppelt, wie das KFV in seiner Schwimmkompetenz-Studie aus 2021 zeigt: Sind 2019 noch 20 Prozent der Erwachsenen nicht schwimmen gegangen, waren es 2021 bereits 44 Prozent. Bei den Kindern ist dieser Prozentsatz von 14 auf 32 angewachsen.

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