90.999 Unterschriften für den Tierschutz. Forderungen für mehr Tierwohl wie ein Stopp der Massentierhaltung stoßen auch in Niederösterreich auf Unterstützung.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 03. Februar 2021 (05:51)
Tierschutzvolksbegehren-Mitarbeiter Robert Walther.
privat

90.999 NÖ-Landsleute haben das Tierschutzvolksbegehren von Initiator Sebastian Bohrn Mena unterschrieben. „Wir sind überwältigt und sprachlos“, sagt NÖ-Koordinator Robert Walther. „Jetzt können wir Druck auf die Politik machen, dass sich möglichst viele unserer Forderungen in Verordnungen und Gesetzen niederschlagen. Die größte Arbeit beginnt erst jetzt.“ Am stärksten unterstützten in Niederösterreich die Mödlinger mit 8,6 Prozent aller Stimmberechtigten das Begehren, am schwächsten die Zwettler und Horner mit je fünf Prozent.

Die Tierschützer fordern einen Stopp der Massentierhaltung und setzen sich gegen Gen-Soja und Billig-Fleisch-Importe ein, machten daher auch gegen das EU-Mercosur-Abkommen mobil. Das Regierungsprogramm sei bereits mit Bekenntnissen zu mehr Tierwohl gefüllt, jetzt müssten Taten folgen, heißt es von der Initiative. Der Appell Richtung Politik scheint bereits Wirkung zu zeigen. „48 Stunden nach der Eintragungswoche hat Tierschutzminister Rudolf Anschober eine neue Herkunfts-Kennzeichnungspflicht für Rinder und Hühner verordnet. Man merkt schon, dass die Regierung das Thema Tierschutz ernst nimmt“, sagt Walther. Es gehe der Initiative primär um die sogenannten Nutztiere, „da gibt es so viel zu tun“.

Tierschutz-Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPNÖ)
Semrad

Auch die Landesregierung hat Tierwohl auf ihrer Agenda. „Ich habe das Begehren schon in der Unterstützungsphase unterschrieben und war mit Initiator Bohrn Mena mehrmals in Kontakt“, sagt Tierschutz-Landesrat Gottfried Waldhäusl. Für ihn zeige das Begehren „speziell im Tiertransport“ wichtige Probleme auf. In Sachen Tierwohl agierten zwar „99 Prozent“ der NÖ-Landwirte sehr gut, aber „es gibt leider überall schwarze Schafe, und da müssen wir gut hinschauen“, sagt Waldhäusl. Am öftesten wurden im Vorjahr die permanente Anbindehaltung und deren Übergangsfristen beanstandet.

Bei der im Oktober gestarteten Tierschutz-Hotline wird im Schnitt sechs Mal pro Tag bei Notfällen geholfen. „Mittlerweile ruft auch die Polizei an. Es ist eine gemeinsame Initiative mit allen Blaulichtorganisationen und Tierschutz-Vereinen“, so Waldhäusl. Die Tierheime tun sich wegen Corona bei der Vermittlung der derzeit 609 Heimtiere sehr schwer. Der Wegfall von Flohmärkten und Tagen der offenen Tür schmerzt die Trägervereine zudem finanziell.

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