Affären, Pyjamas & Wirtshausgedichte. 111 Geschichten aus 111 Orten erzählt der jüngste Waldviertel-„Führer“ der besonderen Art – von Allentsteig bis Zwettl.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 27. März 2018 (01:44)
Uhrmann
Das Grabmal der Sybille von Spiegelfeldt in Köllmitzdörfl, der Pyjama des Friedensreich Hundertwasser in Roiten und das Wirtshausgedicht des Peter Alexander in Rappottenstein: drei von 111 Geschichten an 111 Orten, „die man im Waldviertel gesehen haben muss“. 

„Reiseführer gibt’s eh genug. Wir wollten das suchen, was dort nicht drin steht. Und was man auch nicht im Internet findet.“ Sagt Erwin Uhrmann. Hat erst eineinhalb Jahre recherchiert. Ist dann mit seiner Frau losgefahren. Ins Waldviertel, wo er seine Kindheit verbracht hat. Und dort „von einer Geschichte in die nächste gefallen“.

In Roiten zum Beispiel, wollten der Autor und die Grafikdesignerin das Dorfmuseum besuchen. Und fanden einen Pyjama – von Malerfürst Friedensreich Hundertwasser. Der wohnte und arbeitete in den 1960er-Jahren in einer Säge gleich neben dem Dorf. Und trug an manchen Tagen nur seinen Pyjama.

Uhrmann

Oder in Rappottenstein. Dort kehrte man im Gasthaus Rothen eder ein. Und fand im Gästebuch die Unterschrift von Hollywood-Legende John Huston. Auf Nachfrage beim Grafen Abensperg und Traun erzählte der von Dreharbeiten auf der Burg, einer Geburtstagsparty im Garten, einer Statistenrolle für ihn selbst und einem Filmdebüt einer ganz Großen: John Hustons Tochter Anjelica.

Und gleich noch eine Geschichte fand sich im Rappottensteiner Dorfgasthaus. Von einem anderen, berühmten Stammgast: Peter Alexander. Der ging im Kamp angeln, aß im Gasthaus sein Schnitzel. Und schrieb 1960 ins Gästebuch spontan ein flottes Gedichtchen – … „und wer probiert das Wienerschnitzel, kommt sicher immer wieder her!“

Uhrmann

In Zwettl erzählte man die Geschichte von der widerspenstigen Bäckerstochter, die kein deutschnationales-kornblumenblaues Mascherl in den Haaren tragen wollte, auf Schloss Weitra die vom „Flüsterzimmer“, in Steinbach die vom „Vater-Unser-Stein“, auf der Riegersburg die vom kopflosen Ritter und in Kollmitzdörfl die von einer dramatischen Liebesaffäre, die mit zwei Toten und einem Mausoleum endete, auf der heute der Trauermantel flattert.

111 Geschichten haben Johanna und Erwin Uhrmann („es gibt 333 Orte im Waldviertel – und wir haben uns mit der Auswahl wirklich schwer getan“) in dem liebevoll gestalteten und eindrucksvoll bebilderten Band aus der gleichnamigen Reihe des Kölner Emons-Verlags zusammengetragen. In dem kommen im nächsten Jahr die „111 Orte, die man gesehen haben muss“ aus der Wachau heraus. Erwin Uhrmann: „Die machen wir als Nächstes!“

111 Orte, die man im Waldviertel gesehen haben muss , Johanna und Erwin Uhrmann, 240 Seiten, Emons Verlag, 17,50 Euro.