Frauen kämpfen seit 110 Jahren um ihre Rechte. Die ganze Welt, und besonders das weibliche Geschlecht, feiert heute den Weltfrauentag. Erstmals wurde der Aktionstag am 8. März 1911 gefeiert. Regelmäßig ist der Aktionstag allerdings erst seit dem Jahr 1921 begangen. Ein Überblick über die wichtigsten Meilensteine der Geschlechtergleichstellung in Österreich. Getan ist es damit aber noch nicht – betonen auch Politikerinnen.

Von Michael Chudik und Ondrej Svatos. Update am 08. März 2021 (16:32)
Symbolbild
Von Mary Long, Shutterstock.com

Die Gendergerechtigkeit ist auch in der NÖ-Politik ein häufig diskutiertes Thema. Grundsätzlich sind sich aber NÖ-Politikerinnen einig: Die Gleichstellung von Frauen und Männern soll nicht nur heute, am 8. März, ein Thema sein, sondern das ganze Jahr über. Zugleich weisen NÖ-Politikerinnen auf die außerordentlichen Leistungen der Frauen während der Corona-Krise hin.

NÖ-Landesfrauenvorsitzende Elvira Schmidt (SPÖ):

Elvira Schmidt (SPÖ): „Jedes Kind muss gleich vielwert sein.“
NOEN, Andreas Kössl

„Die Corona-Krise zeigt in aller Deutlichkeit: Frauen sind nicht nur systemrelevant, sie sind das System. Dank für diesen Einsatz reicht jedoch genauso wenig wie Applaus. Diese Anerkennung muss in konkrete Politik für eine geschlechtergerechte Gesellschaft münden, in denen Systemrelevanz die Bedeutung und Entlohnung bekommt, die ihr gebührt. Wann, wenn nicht jetzt!“

NÖ-Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ):

„Die Corona-Krise trifft Frauen besonders hart: Sie arbeiten in systemrelevanten und zugleich unterbezahlten Berufen. Sie sind mit Einkommenseinbußen konfrontiert durch Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit. Sie übernehmen den überwiegenden Teil der unbezahlten Haus- und Familienarbeit, reduzieren dafür ihre Arbeitszeit. Durch ihre Tätigkeit in systemrelevanten Bereichen sind sie auch hohen Gesundheits- und Infektionsrisiken ausgesetzt“

Ulrike Königsberger-Ludwig
Weingartner

NEOS-Landessprecherin Indra Collini:

„Die Gesellschaft verändert sich und damit auch die gelernten Rollen von Männern und Frauen. Damit wir bei der Gleichstellung Schritte nach vorne machen, braucht es echte Männer. Die motivieren Frauen zu einer beruflichen Karriere, stellen sie in Führungspositionen ein oder finden es cool, wenn die Partnerin beruflich erfolgreicher ist. Echte Männer helfen aber auch im Haushalt und gehen ganz selbstverständlich in Karenz. Für diese positive gesellschaftliche Veränderung muss aber auch die Politik einen Beitrag leisten und endlich die Kinderbetreuung in Niederösterreich massiv ausbauen. Damit steht und fällt die Chance einer wirtschaftlichen Gleichstellung der Frauen“

Indra Collini
Erich Marschik

Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP)

Die Frauen-Landesrätin führte aus, dass man seit der Gründung des Internationalen Frauentages ein großes Stück weitergekommen sei, was die Gleichberechtigung anbelange, es gebe jedoch immer noch vieles zu tun. Sie sprach vor allem die schwierigen Herausforderungen von Frauen ihren Lebensalltag betreffend an – im Allgemeinen und speziell jetzt in der Corona-Krise. „Es gibt Probleme, die sich im Laufe der Zeit immer wieder verändern und da gilt es hinzuschauen“, so Teschl-Hofmeister.

Christiane Teschl-Hofmeister
NOEN

Meilensteine der Geschlechtergleichstellung in Österreich

Vor dem 20. Jahrhundert besaßen Frauen in der k.u.k-Monarchie kaum oder nur sehr wenige Rechte. Sie wurden als ein “Eigentum” ihres Mannes und bis zur Heirat als “Eigentum” ihres Vaters wahrgenommen. Einem beliebigen Job nachzugehen, war damals für Frauen unmöglich. Das weibliche Geschlecht wurde ebenfalls vom Studium ausgeschlossen. Das sorgte bei vielen Frauen für Unmut.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts bildeten Frauen ihre ersten Vereine und forderten eine Stärkung ihrer Rechte. Somit fand im März 1911 die größte Frauendemonstration in Wien statt. Rund 20.000 Frauen aber auch Männer forderten das Frauenwahlrecht und den gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Allerdings kam eine Gleichstellung der beiden Geschlechter in der Arbeitswelt erst mit dem ersten Weltkrieg. Da Männer an der Front waren, mussten Frauen zahlreiche Berufe ausüben, die vor dem ersten Weltkrieg männerdominiert waren.

Einen Durchbruch in der Geschichte der Frauenrechte in Österreich stellt das Jahr 1918 dar. Die Verfassung der damals neu gegründeten Republik Österreich stellt das weibliche Geschlecht dem männlichen gleich. Seit diesem Zeitpunkt gilt das Wahlrecht auch für Frauen. Zudem forderten verschiedene Frauenbewegungen in Österreich auch das Recht: - arbeiten zu gehen, eigenes Geld zu verdienen oder auf schulische und universitäre Bildung. Eine weitere Verbesserung kam erst 39 Jahre später. 1957 wurde das Mutterschutzgesetz verabschiedet.

Dieses verbietet Beschäftigung von Frauen sechs Wochen vor und nach der Geburt eines Kindes. Seit dem Jahr 1975 werden Mädchen und Buben gemeinsam unterrichtet. In den 1970er Jahren wurde auch das Familienrecht reformiert. Der Ehemann kann seiner Frau nicht mehr verbieten, einem Job nachzugehen und die Frau muss bei der Ehe nicht mehr den Namen des Mannes annehmen. Erst seit dem Jahr 1989 betrachtet die österreichische Justiz eine Vergewaltigung innerhalb der Ehe als eine strafbare Handlung. Die letzte Änderung in der Gleichstellung der beiden Geschlechter kam 1990. Damals wurde Johanna Dohnal (SPÖ) als die erste Frauenministerin gewählt und setzt unter anderem folgende Verbesserungen für Frauen durch: Änderungen im Familienrecht, im Sexualstrafrecht und im Sozialrecht.

Jedes siebte Jahr arbeiten Frauen in Niederösterreich gratis

Allerdings auch nach 100 Jahren des ersten Weltfrauentages herrscht zwischen den beiden Geschlechtern immer noch Ungleichheit. Darauf möchten verschiedene Frauenbewegungen hinweisen. Wie etwa mit dem internationalen Equal Pay Day (zu Deutsch: Tag für gleiche Bezahlung). Dieser Aktionstag weist darauf hin, wie viele Tage arbeiten Frauen im Vergleich zu Männern gratis. In Niederösterreich beläuft sich diese Zahl auf 51 Tage. Das bedeutet, dass Frauen im Vergleich zum männlichen Geschlecht jedes Jahr in Niederösterreich bis 20. Februar gratis arbeiten. Anders ausgedrückt: Jedes siebte Jahr arbeiten Niederösterreichs Frauen unentgeltlich.