Jessica Teusl: Ein Ass mit Pokerface. Die Wiener Neustädterin Jessica Teusl ist zweifache Poker-Europameisterin. In diesem Jahr noch möchte sie unter die „Top Ten“ der besten weiblichen Pokerspielerinnen kommen. Im Juli steht die nächste Europameisterschaft an.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 08. Mai 2019 (01:10)
Felicitas Matern
Jessica Teusl spielt Poker und das mit Leidenschaft. Viel Urlaub und Wochenenden verbringt sie im Ausland und nimmt an Pokerturnieren teil.

Gerade ist Jessica Teusl aus Monte Carlo, Monaco, zurückgekommen. Dorthin ist sie aber nicht gereist, um Urlaub zu machen. Sie hat dort an einem Pokerturnier teilgenommen.

„Es war eine super Erfahrung und ich war auch wirklich gut dabei“, erzählt Teusl. Sie sei leider dann doch ausgeschieden, „mit einer Hand, wo man von 100 Mal statistisch gesehen 83 Mal gewinnt und 17 Mal verliert“, ärgert sich die Wiener Neustädterin. Poker bleibt dann eben doch ein Glücksspiel. Und Glück hat sich bei Jessica Teusl in den letzten Jahren mit ihrem Können gepaart. Denn mittlerweile ist die 28-Jährige zweifache Europameisterin.

Zu Beginn war das Pokern geheim

Lange hat Teusl ihr Hobby eher für sich behalten. „Als ich meinen ersten Titel gewonnen habe, hat nur meine Familie gewusst, dass ich pokere, aber alle anderen wussten nicht einmal, dass ich pokern kann. Ich wollte es den Leuten nicht erzählen, weil die Angst haben, dass du alles verspielst.“ Das sei noch dieses veraltete Bild vom Pokerspiel aus den Spielfilmen, glaubt Teusl. Poker habe da nicht so einen guten Ruf.

Zu dem besonderen Hobby ist Teusl über ihren Vater gekommen: „Wenn ich fort war, war Papa immer pokern und danach hat er uns abgeholt“, erzählt sie. Irgendwann probierte sie es aber selber aus und bemerkte, dass man damit auch Geld verdienen kann. Lange habe sie sehr viel Zeit investiert. „Ich habe jeden zweiten Tag irgendetwas mit Poker gemacht“, sagt Teusl. Zu Beginn habe sie nur spaßhalber Turniere gespielt.

Das Pokerglück war auf ihrer Seite

Als dann die allererste Europameisterschaft für Frauen im Pokern organisiert wurde, hat sich Teusl überreden lassen teilzunehmen. „Ich hatte das Glück im richtigen Moment auf meiner Seite und dann konnte ich das gewinnen. Man kann viel beeinflussen, aber ein starkes Blatt ist ein starkes Blatt. Es hat natürlich viel mit Taktik zu tun. Man muss entscheiden, welche Blätter man spielt. Ohne Glück kann keiner Turniere gewinnen, auch ich nicht.“

Nur durch Glück wird man aber auch nicht Europameisterin — vor allem nicht zweifache. Das mussten auch Kritiker hinnehmen.

Unterschätzt würde sie nach wie vor werden, aber es wird langsam besser. „Natürlich ist es eine Männerdomäne. Manche haben behauptet, ‚Die hat zwei Turniere gewonnen, aber eigentlich kann die gar nichts.‘ Aber manchmal ist es gut, dass die das glauben“, sagt Teusl. Immerhin kann sie so ihre Gegner überraschen. „Als ich zum zweiten Mal die EM gewonnen habe, da haben die meisten aufgehört zum Reden.“ Neid spiele aber nach wie vor eine Rolle. „Du vertrittst Poker nach außen und da meinen immer alle, sie können es besser“, sagt Teusl und lacht.

Die Pokerspielerin ist in Wiener Neustadt aufgewachsen und hat das Gymnasium dort absolviert. Universitäten lernte sie in ihrem Bildungsalltag viele kennen. Zuerst studierte sie auf der Universität Wien Wirtschaft und Publizistik. Später absolvierte sie den Bachelor in Marketing und Personalmanagement. Später wechselte sie auf die Universität Salzburg und hat dann dort noch ihren Master in Betriebswirtschaftslehre abgeschlossen. 2014 hat sie ihre eigene Werbeagentur gegründet. Nebenbei arbeitet sie als Verkaufsleiterin bei der Agentur Splashline. Für ihr Hobby ist es von Vorteil, dass sie für diese Arbeit nicht ans Büro gebunden ist. „Ich kann auch in Barcelona Anfragen beantworten“, so Teusl. Nur vom Pokern zu leben, könne sie sich aktuell jedoch nicht vorstellen.

Auch Pokern will gelernt sein

Nach wie vor lernt die Pokerspielerin dazu. Sie liest Pokerbücher, macht Onlinekurse und schaut guten Spielern zu, „wie sie bestimmte Blätter spielen“. Außerdem sei der Austausch mit Leuten, die besser seien als man selbst, extrem wichtig. Am meisten am Pokern gefällt Teusl, dass jeder die gleichen Chancen hat: „Egal, woher man kommt. Egal ob alt, jung, männlich, weiblich … im Endeffekt stehen die Chancen für jeden gleich, das Turnier zu gewinnen.“

Auch Teusls Mama sei nach Zweifeln zu Beginn mittlerweile stolz, erzählt Teusl. „Aber sie glaubt noch immer, dass ich urviel verspiele“ sagt sie lachend. „Und Papa ist superstolz.“

Den Freundeskreis oft zu sehen ist mit dem Hobby jedoch nicht einfach. Allein weil der Tagesrhythmus, während sie an Turnieren teilnimmt, ein anderer ist: „Ich bin oft im Ausland. Die Pokerturniere starten oft erst am Abend, dann spielst du bis drei Uhr in der Früh und schläfst lange.“

Die nächsten Turniere, wo sie fix spielt, stehen momentan noch nicht fest. „Sicher ist einmal die Poker-Europameisterschaft“, so Teusl. Die findet im Sommer statt. Seit kurzem weiß Teusl, dass sie auf Platz 11 der besten Pokerspielerinnen steht. „Ziel ist es nun, unter die Top Ten zu kommen!“