Achtung! Eisberg und Lüge voraus. NÖ-Autor Josef Pelz schrieb über das Titanic-Unglück, als wäre er an Bord gewesen. Auf der Passagierliste findet man ihn jedoch nicht.

Von Ondrej Svatos. Erstellt am 14. April 2021 (09:30)
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Am Mittwoch sind es genau 109 Jahre, als es zu der weltbekannten Katastrophe der Seefahrt kam. Am 14. April 1912 wurde die Jungfernfahrt der RMS Titanic jäh gestört. Der Dampfer kollidierte mit einem Eisberg und versank. Bereits ein paar Wochen nach dem Unglück diente der Untergang der Titanic als Vorlage für zahlreiche Film- sowie Literaturwerke.

Die Katastrophe lockte auch den im Jahr 1895 in St. Pölten geborenen Schriftsteller Josef Pelz von Felinau. Der gebürtige Niederösterreicher veröffentlichte um 1915 den Roman: „Der Untergang der Titanic“, und bereits im Vorwort des Buches gab er an, den Untergang von Bord der Carpathia aus miterlebt zu haben. Das Rettungsschiff Carpathia befand sich zum Zeitpunkt der Havarie der Titanic auf seinem Weg von New York ins Mittelmeer, als der Dampfer die Notsignale der Titanic empfing und als erstes Schiff den Untergangsort erreichte.

Pelz konnte nicht an Bord gewesen sein

Der Haken an der Sache ist, dass der damals junge Autor zwar öffentlich angab, dass er an Bord des Rettungsschiffes war, allerdings: In der bereits öffentlich zugänglichen Passagierliste ist keine Spur von seinem Namen. „Somit gibt es keinen Beleg dafür, dass er an Bord gewesen sein sollte“, sagt dazu der zweite Vorsitzende des Deutschen Titanic-Vereins, Imre Karácsonyi, gegenüber der NÖN. Laut ihm habe sich Josef Pelz von Felinau bei seiner Recherche zu seinen Gedichten und Romanen über das Schiffsunglück vorwiegend auf damalige Presse-Mitteilungen gestützt. Pelz selbst habe später zugegeben, dass er sich an Bord der Carpathia nicht befunden hatte.

Die Tatsache, dass Pelz bei der Rettungsarbeiten nicht dabei war, hinderte den deutschen NS-Filmregisseur Herbert Selpin nicht, den von Pelz verfassten Roman „Titanic. Tragödie eines Ozeanriesen“ als Drehbuch für seinen Propagandafilm „Titanic“ zu nutzen.

Seit März 2019 erinnert ein Straßenname im St. Pöltner Stadtteil Harland an Josef Pelz von Felinau.
NÖN-Redaktion

Das Ziel der nationalsozialistischen Propaganda war es, mit dem Film über das Schiffsunglück den Kriegsgegner England zum Verantwortlichen für den Tod von über 1.500 Menschen zu machen. Imre Karácsonyi vom Deutschen Titanic-Verein erklärt, dass der Film beim Publikum eher das Gegenteil bewirkt haben soll, und zwar, dass der Film eher Mitleid bei den deutschen Zuschauern mit den Opfern der Schiffstragödie erweckt haben soll.