Der große alte Rebell. 80 wäre Adolf Frohner heuer geworden. Gleich zwei Schauen gratulieren. „Das ist Protest, das ist Aktion. Und es ist unglaublich ak tuell!“ Sagt Dieter Ronte.

Von Michaela Fleck und Ewald Baringer. Erstellt am 08. September 2014 (05:02)
NOEN, Nikolaus Korab

„Das ist Protest, das ist Aktion. Und es ist unglaublich aktuell!" Sagt Dieter Ronte. Und meint einen der Großen in der ohnehin nicht sehr kleinen heimischen Kunstszene. Ihm, dem 1934 in Großinzersdorf geborenen und 2007 verstorbenen Adolf Frohner, hat der Direktor des gleichnamigen Kremser Forums im heurigen Geburtstagsjahr nicht nur eine Schau ausgerichtet. Sondern gleich zwei. Die erste auf dem Kremser Minoritenplatz. Die zweite an der Klosterneuburger Donaulände.

„Klingt so blutig wie das Alte Testament …“

Im Kremser Forum Frohner hat man sich auf die so genannte „Blutorgel“ („kein Bild, keine Skulptur, sondern ein Manifest“) konzentriert, bei der sich Adolf Frohner 1962 gemeinsam mit Otto Muehl und Hermann Nitsch in einem Wiener Kelleratelier drei Tage lang eingemauert hatte. „Dieses Manifest“, erzählt Dieter Ronte, „klingt so blutig wie das Alte Testament!“ Und war eigentlich ein kühner Protest, vor allem gegen die konservative Kunstszene.

Rostige Gerümpelplastiken sind dazu in Krems zu sehen, zerrissene und ausgeweidete Bilder, Aktionsfotos – und das Original-Manifest.

"Kunst muss notwendig sein.“ 

In Klosterneuburgs Sammlung Essl beginnt man dort, wo das Kremser Forum Frohner aufhört („Aber: Umgekehrt geht’s auch!“, meint Ronte). Und kann durch „Fünf Jahrzehnte Malerei, Grafik, Objekt“ flanieren, von den schrottverwertenden Materialbildern früher Jahre über die Auseinandersetzung mit dem Bild der Frau, oft als geschundene, gequälte Existenz, dem Gebrauch dreidimensionaler Versatzstücke bis zu den farbspielerischen Metamorphosen des Spätwerks. Leiden und Lust bilden zentrale Motive in Frohners Schaffen. Mythologische und religiöse Symbolik wird in kunsthistorischen Coverversionen hinterfragt und umgedeutet, am Ende steht der Tod als Ziel aller Seinsfragen.

Bequem und gefällig war er nicht, wiewohl, so erinnert sich Sammler Karlheinz Essl, ein „geselliger, sprachgewandter“ Zeitgenosse mit großem politischen Bewusstsein, der mit seinem kritischen Menschen- und Weltbild zu einem der bedeutendsten Künstler der heimischen Nachkriegsgeneration wurde.

„Die Wirklichkeit, die ich herstelle, ist die Wirklichkeit, die uns alle betrifft.“ Davon war Frohner zeitlebens überzeugt. Davon zeugt auch das Zitat, das Besucher bei Essl empfängt: „Kunst muss nicht schön sein. Aber sie muss notwendig sein.“ 
www.kunsthalle.at
www.essl.museum

Arnulf Rainer in der Albertina

Fünf Jahre vor Adolf Frohner, also 1929 kam im Baden bei Wien Arnulf Rainer zur Welt. Er verbrachte Kindheit und Jugend in Baden Vöslau. Seine in den Fünfzigerjahren entwickelten Überarbeitungen machten ihn weltweit bekannt. In seiner Geburtsstadt ist ihm im ehemaligen Frauenbad ein eigenes Museum gewidmet.

Nun würdigt die Wiener Albertina den Künstler anlässlich seines 85. Geburtstages mit einer umfassenden Retrospektive, in der wesentliche Stationen seines komplexen Schaffens mit Schlüsselwerken präsentiert werden. Am 17. September, 18.30 Uhr, liest Andrea Eckert aus den Schriften Rainers.

Bis 6. Jänner, www.albertina.at