Tiere für den Klimaschutz. Bei einer "neuen Pressekonferenz der Tiere" sprachen Aktivisten der Hainburger Au-Besetzung von 1984 und junge Aktivistinnen von heute kostümiert als Au-Tiere über den Klimaschutz.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 31. Oktober 2020 (09:17)

Kann Kunst das Klima retten? Diese Frage stand im Raum, als am Freitag, dem 30. Oktober, die Tiere Hirsch, Eisvogel, Kormoran, Rotbauchunke, Schwarzstorch, Fisch, Purpurreiher und Laufkäfer das Kunsthaus Wien zu den Klängen eines Blechbläserinnenensembles betraten. Kunst kann immerhin aus der Komfortzone holen, unsere Wahrnehmung verändern und sie regt zum Diskutieren an – das soll die Veranstaltung „Die neue Pressekonferenz der Tiere - Gemeinsam für den Klimaschutz" zeigen. Sie leitete die Globart Academy 2020 ein, eine Tagung, die jedes Jahr eine Reihe von Vorträgen, Workshops, Konzerten und Diskussionen bietet. Heuer findet sie am 30. und 31. Oktober 2020 zum Thema „Macht“ im Atomkraftwerk Zwentendorf (Bezirk Tulln), im Parlament und online statt.  

Neuauflage mit Neubesetzung

Die neue Pressekonferenz der Tiere sollte an die medienwirksame „Pressekonferenz der Tiere“ aus dem Jahr 1984 erinnern. Damals setzten sich Aktivisten kostümiert als Tiere der Au erfolgreich für die Erhaltung der Natur in der Hainburger Au (Bezirk Bruck a. d. Leitha) ein. Anwesend waren heuer Aktivisten von damals, wie der Vizepräsident des europäischen Parlaments, Othmar Karas (als Kormoran) und Gerhard Heilingbrunner (Hirsch), ein Mitinitiator der Hainburger Au-Besetzung am Wort, aber auch junge Aktivistinnen wie Anika Dafert (als Fisch) von Fridays for Future oder die Schülerin Johanna Mayer als Purpurreiher. Statements gaben auch Wolfgang Pekny, Gründer der Plattform Footprint, als Rotbauchunke, Stefan Zach, Leiter Konzernkommunikation der EVN, als Schwarzstorch, sowie Nikolas Pawloff, Umweltaktivist bei Greenpeace, als Laufkäfer sowie Dompfarrer Toni Faber als Eisvogel ab.


Der Mensch ist vom Aussterben bedroht    

Der erste Redner, der Hirsch, alias Gerhard Heilingbrunner forderte dazu auf, den Kampf gegen das Artensterben und den Klimawandel fortzusetzen: „Gerade jetzt, im Jahr 2020, brauchen wir wieder diesen positiven Geist von Hainburg.“ „Der Verlust der Artenvielfalt bedroht die Menschen und die Corona-Krise hebelt die Klimakrise nicht aus“, sagte Dafert in ihrem Statement, bevor sie an Othmar Karas als EU-Vertreter gewandt forderte „alles in Ihrer Macht stehende zu tun um in der EU Menschen vor die Wirtschaft zu stellen“.

Wir als Menschen seien auch eine Art, die durch ihre eigene Schuld vom Aussterben bedroht sei. Pawloff kritisierte Österreich hätte umweltpolitisch drei Jahrzehnte verschlafen und würde sich als „Umweltmusterschüler“ verkaufen, obwohl die CO2-Werte laufend steigen. Schwarzstorch Stefan Zach, Leiter der EVN-Unternehmenskommunikation betonte die großen Herausforderungen, die die Energiewende in Richtung Nachhaltigkeit mit sich bringen.

Es gäbe viele Plätze wie die Hainburger Au, die damals durch Umweltaktivismus gerettet wurde, so Othmar Karas. Es gelte, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass wir auch diese anderen Orte schützen müssen – „Hainburg ist überall.“ Pekny forderte im Namen der Umwelt ein „totales Umdenken, wie wir wirtschaften und konsumieren“. Was uns wirklich fehle sei „die Fantasie uns die Welt anders vorzustellen.“ Dabei könne uns aber die Kunst helfen.

Transparente für die Selbstbestimmung

Globarts Aufruf, jeweils ein Transparent für die Konferenz zu gestalten, folgten dreizehn Künstler und Künstlerinnen. Darauf zu lesen, zum Beispiel: „We are burning“, „border less“, eine genähte Hand als Zeichen der Selbstbestimmung, oder ein leeres weißes Banner von Heimo Zobernig („Dazu gibt es nichts zu sagen“). Auf einer großen Flagge am Boden konnten alle Anwesenden außerdem mitgestalten, ein Zeichen, gerade in diesen Zeiten gemeinsam aktiv zu sein und zu schaffen. Die Flaggen waren am Tag der Pressekonferenz einerseits auf der Fassade des Kunsthaus Wien zu sehen, später am Tag dann beim AKW Zwentendorf.