Alma bei den Serben. Fans stürmen seit achtzehn Jahren das faszinierende Stationen theater rund um Alma Mahler-Werfel. Im Sommer sollte das Ziel der Aficionados Wiener Neustadt sein.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 16. Juni 2014 (06:56)
NOEN, APA/HERBERT NEUBAUER

Gespielt hat er sein Polydrama schon in Jerusalem und Wien, in Los Angeles und Venedig, in Lissabon, Prag und Berlin, auf dem Semmering und im Schloss Petronell – jetzt hat Paulus Manker für Joshua Sobols „Alma“ im neunzehnten Jahr Wiener Neustadt entdeckt, konkret die sogenannte Serbenhalle.

Das dreischiffige, einer Basilika ähnliche Industriegebäude, wurde 1942 in Serbien als Kriegsbeute von den Nazis abgebaut und in Wiener Neustadt wieder errichtet, zwar nur dreihundert der ursprünglich sechshundert Metern Länge. Die sind aber mit einer Breite von 66 Metern und einer Höhe von 26 Metern immer noch äußerst beeindruckend. Als Außenstelle des Konzentrationslagers Mauthausen wurden hier, in der damals größten Halle Mitteleuropas, von französischen und russischen Kriegsgefangenen erst Eisenbahnwaggons und Kohle tender, dann sogar Teile von Adolf Hitlers angeblich ultimativer Kriegswaffe, der V2, gebaut.

Das Areal gehört heute Christian Blazek, Eigentümer von Schloss und Gärtnerei Wartholz in Reichenau an der Rax. Bisher stellte er Nebengebäude der Serbenhalle (auch Raxwerke oder Roigk hallen genannt) als Depot für „Alma“ zur Verfügung. Jetzt soll hier gespielt werden, und zwar von 15. bis 31. August. Die Karten kosten wie schon bisher 115 Euro, der Verkauf beginnt am 1. Juli, das Dinner wird vom Wiener Restaurant Hebenstreit ausgerichtet – nur die Besetzung steht noch nicht wirklich fest. Bei der Finanzierung ist Manker einen Schritt weiter.

Hohe Halle und immer noch Eisenbahnschienen 

In einem Gespräch mit Landeshauptmann Erwin Pröll erhielt Paulus Manker eine entsprechende Finanzierungszusage, jetzt fehlen noch Ansuchen und finanzielles Konzept. Hermann Dikowitsch, oberster Kulturbeamter des Landes: „Wir sehen das Projekt mit größter Sympathie, vor allem auch dank des besonderen Spielortes.“

In Wiener Neustadt würde das Stationentheater rund um Alma Mahler-Werfel, ihre Zeit und ihre Ehemänner in einer für Manker ganz neuen Location stattfinden. Was ihn fasziniert, ist die Höhe des Mittelschiffes und die vorhandenen Eisenbahnschienen. Allfällige Pläne, wie er die beiden Elemente in seine Inszenierung einbaut, verrät er aber noch nicht.

Ihm ist wichtig: „Das ist das neunzehnte Jahr mit ,Alma‘. Hätten wir ein Jahr ausgelassen, wäre der Bann gebrochen, der Zauber verflogen. So werde ich hoffentlich heuer die 470. Aufführung feiern und nächstes Jahr die zwanzigste Saison mit der 500. Vorstellung. Danach könnte wirklich Schluss sein.“