Als Offizier an zwei Fronten. "Der Blick zurück", von Hans Ströbitzer

Erstellt am 08. Januar 2014 (23:59)
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Kampfpause: Oberleutnant Julius Raab (Mitte) an der italienischen Front. Archiv

Im Russland-Krieg. Nach der Ermordung des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Gattin, der Herzogin von Hohenberg, bei einer Truppeninspektion in Sarajewo am 28. Juni 1914 und der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien wird Julius Raab zu den Sappeuren (Pionieren) einberufen. Er kam zum Sappeur-Regiment in Krems, wo er bereits seine Ausbildung absolviert hatte und die Fahrt ging – nach der Kriegserklärung Russlands – nach Osten. „Wir fuhren bejubelt durch das Kamptal“(Raab). Die Österreicher glaubten, der Krieg würde bald gewonnen sein. „In Mähren, vor allem in Krakau war die Begeisterung nicht mehr so groß wie in NÖ.“ Rund ein Jahr war Raab an der russischen Front in Einsatz.

Mörderische Kämpfe. Er hatte als Fähnrich mit seinem Soldaten viele gefährliche, verlustreiche Einsätze zu bestehen. An der Ostfront waren die Russen den Österreichern zahlenmäßig weit überlegen. Raab schilderte zwar, dass die Russen wiederholt zurückgeworfen wurden, aber allein „an der galizischen Front gingen im Spätsommer 1914 400.000 Mann verloren – Tote, Verwundete und rund 100.000 in russischer Gefangenschaft“ (Ernst Trost). 1915, nach dem Eintritt Italiens in den Krieg, wurde der vielfach ausgezeichnete, zum Leutnant aufgerückte Julius Raab mit den Kremser Sappeuren an die neue Front nach Südtirol – das Land gehörte ja damals zu Österreich – verlegt. Raab rückte zum Leutnant und dann zum Oberleutnant und Kompaniekommandanten auf.

Grässliche Verluste. Raab machte zehn Kämpfe der Isonzoschlachten im Karst der Südtiroler Bergwelt mit. „Er musste mit seinen Sappeuren Lücken schließen, die in Bastionen gerissen wurden, Hilfe leisten beim Schlagen von Kavernen, gefahrvollen Sprengungen, bei Sturmtrupps. Unternehmungen, die eines gemeinsam hatten: grässliche Verluste“(Karl Heinz Ritschel). Einmal inspizierte Generalstabschef Theodor Körner die Truppen, wo ihn Oberleutnant Raab bei wiederkehrendem Speerfeuer der Italiener zu den Stellungen führte. Und Körner tat dies in aufrechter Haltung. Die Freundschaft zwischen dem roten Bundespräsidenten der Zweiten Republik und dem schwarzen ÖVP-Spitzenpolitiker Raab ist auf diese brandgefährliche Begegnung im Ersten Weltkrieg zurückzuführen.Hans Ströbitzer

Julius Raab, Baumeister Österreichs. Folge 2 von 5. Nächste Woche: Raabs Rückkehr & die 1. Republik.