Kulturpreisträger Kropfreiter: „Kultur hat mich immer begleitet“

Kulturpreisträger Hannes Kropfreiter im Gespräch über die Amstettner Kulturszene und Highlights seiner Laufbahn.

Erstellt am 24. November 2021 | 03:56
440_0008_8236796_ams47ams_kulturpreis_kropfreiter.jpg
Gemeinderätin Regina Öllinger, Bürgermeister außer Dienst Herbert Katzengruber, Stadträtin Elisabeth Asanger, Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig, Kulturpreisträger Hannes Kropfreiter, Bürgermeister Christian Haberhauer, Gemeinderätin Martina Wadl und Kulturstadtrat Stefan Jandl bei der Auszeichnung.
Foto: Stadtgemeinde

NÖN: Gratulation zum Am-stettner Kulturpreis. Genießen Sie es, gewürdigt zu werden? Sie haben ja auch schon den Würdigungspreis des Landes Niederösterreich erhalten...

Hannes Kropfreiter: Ich habe mich sehr darüber gefreut und natürlich genießt man den Moment der Auszeichnung. Diese Ehrung empfinde ich auch als letztes Dankeschön seitens der Kommune für mein 33-jähriges Bemühen, Amstetten zu einer Kulturstadt zu führen. Das war ja am Beginn meiner Ära nicht unbedingt der Fall.

NÖN: Sie haben die Kulturszene in Amstetten über Jahrzehnte geprägt. Was war der Reiz an Ihrem Job, was waren die Highlights, wo haben Sie sich mehr erhofft und wo denken Sie, sind Sie gescheitert?

Kropfreiter: Wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann, muss man nicht erst begeisterungsfähig werden. Kultur hat mich vom Kindheitsalter an begleitet. Ich durfte mich bereits in meiner Jugend in interessanten Kulturkreisen bewegen. Deshalb war und bin ich Künstlern gegenüber immer offen, was Voraussetzung für diesen Job ist, um etwas zu bewegen. Es gab viele Highlights unter den über 2.000 Veranstaltungen, die von mir programmiert wurden, dass es schwer ist, sich für wenige zu entscheiden.

Welche Veranstaltungen sind Ihnen in besonderer Erinnerung?

Kropfreiter: Unvergesslich bleiben mir die Gastspiele des Landestheaters mit Ferdinand Raimunds „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ mit Karl Markovics in einer der Hauptrollen sowie „Der Bauer als Millionär“, beides Jerome Savari-Inszenierungen. Aber auch viele Tourneebühnen haben mit großartigen Stücken in der Pölz-Halle gastiert. Mit großer Begeisterung erinnere ich mich auch an Konzerte von Jon Lord, Charlie Watts, Konstantin Wecker, Herman van Veen, Rebekka Bakken, Reinhard Mey, Rainhard Fendrich, Georg Danzer, Ludwig Hirsch oder STS, um nur ganz wenige zu erwähnen. Und an viele tolle Kabarettabende, Kammermusikensembles und Jazzkonzerte. Speziell in den Nischenbereichen wie Kammermusik und Jazz hätte ich mir mit Fortdauer unserer Anstrengungen für hochkarätige Konzerte steigende Besucherzahlen erwartet. Publikum zu erziehen ist schwer möglich, das musste ich mir eingestehen. Allerdings auf hohem Niveau, wenn ich an die knapp 55.000 Besucher in meinem letzten Jahr bei der AVB denke.

Sie haben sich besonders für Kammerkonzerte eingesetzt. Haben Sie eine Vorstellung, warum diese beim Publikum relativ wenig Anklang finden?

Kropfreiter: Kammermusik ist eine sehr subtile Form der Darbietung. Wenn man einmal den Einstieg in diese kleinbesetzte Musikform geschafft hat, kann man sich der Begeisterung dafür kaum wieder entziehen. Die Hürde scheint jedoch immer noch hoch zu sein. Das erlebe ich immer wieder auch bei anderen Veranstaltern, die ebenfalls um Publikum ringen.

Wofür steht die Amstettner Kultur?

Kropfreiter: Das Kulturleben unserer Stadt würde ich als eine solide Kombination aus regionalem Kulturschaffen und einem hochprofessionellen Gastspielbereich bezeichnen. Dabei denke ich an die Blasmusikvereine, das Amstettner Symphonieorchester, die Chorvereinigungen oder die vielen Aktivitäten in der bildenden Kunst, wo interessierte Menschen sich kulturell und künstlerisch entfalten können. Wohin eine intensive Beschäftigung und Ausbildung führen kann, kann man dann in der Pölz-Halle bei professionellen Theatergastspielen und Konzerten erleben. Dass der Musicalsommer „das“ kulturelle Leuchtturmprojekt Amstettens ist, scheint mittlerweile unbestritten zu sein.

Zum Schluss: Die Corona-Krise lässt keinen Stein auf dem anderen, besonders im Kulturbereich. Das Spannende wird nun aber sein, wie der Kulturbereich, den Sie jetzt aus dem wohlverdienten Ruhestand beobachten dürfen, nach der Pandemie funktionieren wird?

Kropfreiter: Die Einschnitte, die die Kulturbetriebe zu verschmerzen haben, sind enorm. Ich befürchte, dass ein Teil des Publikums auch dadurch verloren gegangen ist. Der Besuch von Veranstaltungen hat auch einen wesentlichen gesellschaftlichen Charakter, wo sich Freunde zu gemeinsamen Besuchen animieren. Mit den kulturellen Puristen alleine wird es schwer werden, die Häuser zu füllen.