Wörtertaucher Julian Schutting feierte seinen 80er. 80 ist Amstettens wichtigster Dichter Julian Schutting gerade geworden. Und feiert mit Texten und Tönen.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 07. November 2017 (02:54)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
„Man sieht an dem Namen Julian, was war“: Julian Schutting, geboren 1937 als Jutta Maria Franziska, über seine Geschlechtsangleichung 1989 im „Profil“.
Julia Spicker/Jung und Jung

Über Inseln schrieb er in seinem ersten Gedichtband. Über das Tauchen in seinem zweiten Prosaband. 1973 bzw. 1974 war das. Da hieß Julian Schutting noch Jutta. Hatte Fotografieren auf der Grafischen gelernt. In Geschichte und Germanistik promoviert. An einer HTL unterrichtet. Und war gerade 36 (bzw. 37) geworden.

„Man kann“, sagt Schutting, der 1937 in Amstetten geboren wurde und seit 1952 in Wien lebt, „schwer von sich sagen, man ist ein Dichter“. Und doch ist der gerade 80 gewordene einer der wichtigsten unter Österreichs Gegenwartsliteraten. Einer der ausgezeichnetsten – mit dem Wildgans-, dem Trakl- und dem Jonke-Preis. Und einer der fleißigsten.

Über 50 Bücher, jedes Jahr eines und manches Jahr mehrere, sind nach der „Sprache der Inseln“ 1973 und den „Tauchübungen“ 1974 bis heute erschienen. „Ein Jahr ohne Buch“, sagt Julian Schutting, „ist seltsam.“ Und das „Sympathischste“ an runden Geburtstagen, wie zuletzt dem 70er, sei, „dass mir die Themen nicht ausgehen. Das ist schon ein Glücksgefühl“.

Ich bin immer für etwas Frisches!“ Julian Schutting, 80, Dichter und Dramatiker

Für Torte und Sekt ist er ohnehin nicht zu haben. Statt dessen nimmt er, wenn ihn jemand feiern will – wie das Kremser Literaturhaus, das Schutting erst vergangenes Jahr eine Personale widmete –, „lieber was zum Vorlesen mit“. Etwas Unveröffentlichtes, etwas, das er auf Fahrscheinen oder auf Briefkuverts zu schreiben begonnen hat. Wenn die nicht weggeworfen werden, kann daraus mehr werden.

Der jüngste Band „Zersplittertes Erinnern“ aus 2016 (bei Jung und Jung) etwa oder auch das Kinderbuch „Roberts Donauschlepper“ (erschienen in der Weitraer Bibliothek der Provinz). Oder, ganz „frisch“, die vier Lieder für Sopran aus einem „taubenspäten Nachmittag“ und die Lesung „Am Morgen vor der Reise“.

Die Letzteren gibt es auch beim zweitägigen Geburtstagsfest zu hören, das das Kremser Archiv der Zeitgenossen, in dem Julian Schuttings Vorlass seit Juli 2016 liegt, dieses Wochenende ausrichtet. Mit Lesungen, Vorträgen und einem Konzert mit Tönen von Kurt Schwertsik nach Texten von Julian Schutting. „Meine Sachen haben eine gewisse musikalische Gliederung“, sagt der Dichter. Und taucht weiter nach Wörtern.

www.archivderzeitgenossen.at