„Zurück im Hafen“. Anselm Lipgens, Schauspieler und Regisseur, im Gespräch mit Thomas Jorda über seine zehnte Inszenierung bei der Kulturszene Kottingbrunn.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 06. September 2016 (06:43)
NÖN/Daniela Matejschek, Daniela Matejschek
Anselm Lipgens, Schauspieler und Regisseur

NÖN: Sie inszenieren seit vielen Jahren in Kottingbrunn. Warum sind Sie im Wasserschloss hängengeblieben?
Lipgens: Weil ich nicht in solchen Kategorien denke. Hängengeblieben? Das klingt ja so, als ob das Publikum in Kottingbrunn weniger wert wäre. Ein produktives, positives Umfeld, Treue, gemeinsame Visionen und gewachsene Erfahrung sind in unserem Metier sehr wertvoll. Deshalb komme ich während meiner verschiedensten Reisen durch die Theaterwelt immer wieder gerne in den Hafen Kottingbrunn zurück.

Was macht den Reiz des Ortes aus?
Enthusiastische Mitstreiter, Wertschätzung der gemeinsam verbrachten Lebenszeit und der besondere Flair, die heitere Atmosphäre. Motivierend wirkt auch der stetig wachsende Zuspruch der Zuschauer aus der Region und darüber hinaus.

Ist es nicht schwierig, mit einer Truppe zu arbeiten, die aus Profis und Laien besteht?
Wir sagen Amateure, also quasi Liebende. Es ist nicht schwieriger als andere Konstellationen, es bedarf nur anderer Wege und Methoden, größerer Geduld, einer sorgfältigen Ensembleauswahl und Freiheit im Denken. Ohne den künstlerischen Anspruch zu verlieren.

Musste es zum Jubiläum eine so deprimierende Geschichte Shakespeares werden?
Heuer ist es der 400. Todestag des Meisters, und man sagt, er habe „Hamlet“ nach dem Tod seines eigenen Sohnes geschrieben. Es erschien mir also passend. Und wir erzählen solche Geschichten ja, damit der Zuhörer gegen das Deprimierende aufbegehrt. Ganz abgesehen von den gehörigen Prisen Humor, die Shakespeare seinen tragischen Werken immer beimengte. Außerdem gehört es bei uns zum Konzept, dem Publikum die ganze Bandbreite der dramatischen Kunst anzubieten.

Sie spielen den Geist von Hamlets Vater. Wie legen Sie ihn an?
Hintergründig natürlich. Im wahrsten Sinne des Wortes.

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