Tomas Zierhofer-Kin scheitert an den Festwochen. Am Ende ging alles ganz schnell. Kaum war die zweite Ausgabe der Wiener Festwochen unter ihrem Intendanten Tomas Zierhofer-Kin (49) ausgelaufen, gab die neue Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) am Dienstag die vorzeitige Vertragsauflösung mit dem ehemals so erfolgreichen Leiter des Kremser donaufestivals bekannt - drei Jahre vor Ablauf des ursprünglichen Vertrages.

Von APA Red. Update am 19. Juni 2018 (15:12)
APA
Thomas Zierhofer-Kin

Die Auflösung per 30. Juni geschieht einvernehmlich, wie es heißt. Sie ist Resultat eines gemeinsamen Gesprächs mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Rudolf Scholten, Festwochen-Geschäftsführer Wolfgang Wais und Kaup-Hasler (SPÖ), das am Montag stattgefunden hat. Der scheidende Intendant will über jene knappen Worte, mit denen er in der Aussendung zitiert wurde, hinaus nichts mehr sagen.

Dort heißt es: "Ich habe diesen Vorschlag der Kulturstadträtin unterbreitet, da ich trotz vieler künstlerischer Erfolge und der gelungenen Bemühungen, ein für die Festwochen neues Publikum zu gewinnen, auf keine breitere Resonanz gestoßen bin." Die Entscheidung sei Ausdruck seiner Verantwortung, die er insbesondere gegenüber den internationalen Künstlern sowie den Wiener Festwochen, "die aus meiner Sicht ungerechtfertigter Kritik ausgesetzt waren", wahrnehme.

Auch Kaup-Hasler sprach von einem "konsensualen Gespräch": "Ich kenne Tomas Zierhofer-Kin persönlich seit langem und schätze seine Arbeit. Wir teilen das Interesse an einer Kunst, die nicht nur reproduzierend ist, sondern auch in neue Terrains vordringt. Ich weiß, was eine derartige Neuorientierung, die Zierhofer-Kin vorgenommen hat, auf allen Ebenen bedeutet." Nun gelte es, darüber nachzudenken, die Wiener Festwochen "weiterhin als innovatives und strahlendes Festival zu positionieren."

Festwochen-Geschäftsführer Wolfgang Wais bedauert Zierhofer-Kins Schritt, er begegne diesen "mit großem Respekt und außerordentlicher Wertschätzung". Aufsichtsratsvorsitzender Rudolf Scholten dankte Zierhofer-Kin "für den mutigen Schritt, eine Neukonzeption der Wiener Festwochen einzuleiten." Schon die erste Saison des Nachfolgers des nach Salzburg gewechselten Intendanten Markus Hinterhäuser war im Vorjahr unter starke Kritik geraten: Die einstige Leistungsschau des Welttheaters, das über ein so großzügiges Budget - von den 12,5 Mio. Euro kommen 10,4 Mio. von der Stadt Wien - verfügt wie nur wenige andere europäischen Festivals, sei zu performancelastig und zu ausschließlich diskursorientiert, lauteten die Vorwürfe.

Der aus Salzburg stammende Zierhofer-Kin, der vor dem donaufestival bereits mit der Gründung des Festivals "Zeitfluss" bei den Salzburger Festspielen von sich reden machte, verteidigte sich damit, dass das Ziel, neues Publikum für das Festival zu gewinnen, von der Stadt Wien gewünscht worden sei, räumte aber "Kommunikationsprobleme" beim Vermitteln seines Programms ein. Daraufhin veränderte er sein Kuratorenteam und programmierte heuer weniger spröde. Dennoch vermisste man auch diesmal große Publikumserfolge ebenso wie bedeutende Eigenproduktionen. Kaup-Hasler hat nun die Aufgabe, neben der Kunsthalle zeitnah über eine weitere wichtige Personalie zu entscheiden.

Zur Person:

Geboren wurde Tomas Zierhofer-Kin am 3. Oktober 1968 in Salzburg. Den Ausgangspunkt für seinen beruflichen Weg legte der spätere Festivalleiter dabei breit an und studierte neben Komposition, Philosophie, Musikwissenschaft und Gesang auch kulturelles Management in seiner Heimatstadt sowie in Wien. Noch während des Studiums am Mozarteum gründete er mit Markus Hinterhäuser 1993 dann das Festival "Zeitfluss" als Teil der Salzburger Festspiele - eine Institution, die er mit Hinterhäuser bis 2001 innehatte.

Daraufhin zeichnete dasselbe Duo von 2002 bis 2004 für die Programmreihe "zeit_zone" bei den Wiener Festwochen verantwortlich. Dann ging es wieder zurück nach Salzburg, wo Zierhofer-Kien im Mozartjahr 2006 gemeinsam mit Max Hollein Kurator des Festivals "Kontra.com" war. Zu dieser Zeit war Zierhofer-Kin aber bereits zum künstlerischen Leiter des Kremser donaufestivals bestellt worden, das er ab 2005 unter internationaler Resonanz mit einem Avantgardeprogramm bespielte.

Das einst betuliche Provinzfestival wurde unter seiner Ägide ein Hort der Performancekunst, der Sub- und Popkultur, der Kritik an Neokolonialismus und Kapitalismus und zum Tummelplatz für Queeres. Zierhofer-Kin brachte musikalische Gigs internationalen Formats nach Krems und verband vermeintlich feinsäuberlich getrennte Genres zu neuen Kombinationen. Dass dieses Konzept nicht nur vom Publikum goutiert wurde, sondern auch Rückhalt in der niederösterreichischen Kulturpolitik fand, die ihren Intendanten nicht nur gewähren ließ, sondern zum Aushängeschild machte, gehörte zu den Überraschungen der Zierhofer-Kin'schen Laufbahn.

In Wien wurde dem als Teamplayer gepriesenen Kulturmanager nun weniger lange Stütze von kulturpolitischer Seite gewährt. "Auf jeden Fall braucht so ein Konzept Zeit, sich zu entwickeln", hatte Zierhofer-Kin noch im April in weiser Voraussicht appelliert. Diese Zeit wird ihm in der Bundeshauptstadt nun nicht mehr eingeräumt. Für den Nachfolger oder die Nachfolgerin, die Kulturstadträtin Kaup-Hasler nun suchen muss, wäre dennoch einiges an Vorarbeiten vorhanden. So ist etwa US-Starkünstler Paul McCarthy für 2019 mit einem Großprojekt angekündigt, während nach Aussagen des Intendanten 2020 ein Musiktheater-Schwerpunkt geplant war. Ob diese Pläne ihren Erschaffer überdauern, bleibt nun abzuwarten.