Diözesanmuseum St. Pölten hat neue Leiterin (33). Die 33-jährige Barbara Taubinger aus St. Margarethen an der Sierning will Anfang 2020 dort anknüpfen, wo Wolfgang Huber aufhört.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 04. November 2019 (10:00)
Feuchtner
Die 33-jährige Barbara Taubinger wird Direktorin des Diözesanmuseums St. Pölten.

Barbara Taubinger aus St. Margarethen an der Sierning (Bezirk St. Pölten-Land) folgt mit 1. Jänner 2020 Wolfgang Huber als Direktorin des Diözesanmuseums in St. Pölten, des ältesten Diözesanmuseums Österreichs.

Die Kunsthistorikerin ist hier seit 2012 als Mitarbeiterin von Huber tätig und kennt das Dözesanmuseum in- und auswendig. Bischof Alois Schwarz würdigt die 33-Jährige als „bestens ausgebildete, wissenschaftlich fundiert und inspiriert denkende Frau“.

Seit Beginn ihrer beruflichen Laufbahn ist der Werdegang von Barbara Taubinger eng mit der Diözese verknüpft: zuerst in der Inventarisierung des pfarrlichen Kulturgutes und später als Kunsthistorikerin im Diözesanmuseum. Der Ausschreibung waren zahlreiche Interessenten gefolgt, fünf Personen wurden zum Hearing eingeladen.

"Codes müssen neu entziffert werden"

Kanzler Gottfried Auer, organisatorisch für den Bereich Museum und Konservatorat zuständig, beschreibt Taubinger als „kreativ, innovativ“ und „bestens in die Bestände unseres Museums und der Pfarren eingearbeitet“. Im Hearing überzeugte „ihr breit angelegter und tiefgehender Hintergrund in Geschichte und Kunstgeschichte, der klare Fokus ihrer Tätigkeiten auf sakrale Kunst und eine spannende Konzeption der Museumszukunft“, so die Jury.

Als „klein und fein“ bezeichnet Taubinger das Diözesanmuseum und streicht „die große Stärke eines kleinen Museums“ hervor. „Menschen brauchen die konkrete, angreifbare und intime Erfahrung, um kirchliche Kunst – und damit Glaubensvermittlung – verstehen zu können“, erklärt Taubinger.

Grundlage ihrer Tätigkeit wird der klare Bildungsauftrag des Museums sein, der vor mehr als 130 Jahren zur Gründung geführt hat, betont Taubinger. „Der konservatorische Schwerpunkt, die enge Verknüpfung von Museum und Konservatorat und die Vermittlung von sakralen Inhalten in den Kunstgegenständen war und ist die Gründungsidee des Hauses.“ Hier gelte es, diese Kernaufgabe in die Gegenwart zu heben – mit Ausstellungen, die den Dialog fördern und ein breites Publikum ansprechen. Denn „das Lesen von kirchlicher Kunst muss heute neu gelernt, Codes müssen neu entziffert werden“, so Taubinger. Das Vermitteln von sakralen Inhalten über kulturelle Zugänge sieht sie als „Kernaufgabe kirchlicher Museen“.

Als oberste Konservatorin der Diözese gilt es für Taubinger zudem, in Zukunft die Inventarisierung fertigzustellen, die Zuständigen in den Pfarren in der Erhaltung und Pflege der Kunstgegenstände zu unterstützen und damit „Servicestelle“ zu sein im Umgang mit sakraler Kunst.

Neuer Zugang ins Museum als neue Chance

Der neue Zugang am Domplatz 1 wird in Zukunft das Museum sichtbarer machen und damit ein weiterer kultureller Knotenpunkt im reichen Kulturleben St. Pöltens sein. Als dezidierte Befürworterin der Bewerbung St. Pöltens zur europäischen Kulturhauptstadt ist Barbara Taubinger auch die Vernetzung mit städtischen und niederösterreichischen, aber auch internationalen Kulturschaffenden ein großes Anliegen.

„Wir leben in einer europäischen Boomtown, es wird gebaut, zugezogen, es entstehen Grätzel, Szenen, Communities – und wir sind am Domplatz mittendrin. Es wird eine große Freude sein, in unserer Domstadt St. Pölten mitten in Europa initiativ und kreativ mitwirken zu können – und mit dem Diözesanmuseum den Blick auf die sakrale Kunst und das große Erbe christlichen Kulturlebens zu richten.“

Bischof Schwarz dankt Wolfgang Huber

Bischof Alois Schwarz dankt zugleich Wolfgang Huber, der das Museum elf Jahre lang leitete und große Projekte wie die Digitalisierung der Bestände, die Neuaufstellung der Schatz- und Paramentenkammer und die Erweiterung der Museumsräume initiierte und umsetzte.

Schwarz erinnert auch an den von Huber gestalteten Domführer, der „bis heute wesentliche Handreichung über die Ausstattung des St. Pöltner Domes und des Domareals“ ist. In Hubers Funktionszeit fielen auch die pfarrlichen Großrenovierungsprojekte Krems-St. Veit, Maria Taferl und Basilika Sonntagberg sowie die Einführung der Krippenausstellungen im St. Pöltner Dom, die den großen Schatz pfarrlicher und privater Exponate der Diözese hoben.

Als langjähriges Großprojekt übernahm Huber mit der Leitung auch die Umgestaltung eines Museumszuganges über das neue Portal Domplatz 1, die mit Jahresende bautechnisch abgeschlossen sein wird. Die Fertigstellung fällt nun in diese Zeit des Überganges: Die letzte Bauphase wird unter Direktor Huber noch fertiggestellt und als Diözesanzugang in den Probebetrieb übernommen. Die Wiedereröffnung des Diözesanmuseums nach dem Umbau ist im Frühsommer 2020 geplant.


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