Grantigkeit als Installation in Baden

Mit einer Ode an die Grantigkeit startet Kunstvereins-Obfrau Cornelia König eine Ode an das Hier und Jetzt.

Erstellt am 19. Dezember 2021 | 06:02
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 „Man kann mit wenig, viel machen“, davon ist die Kunstvereins-Obfrau und selbst schaffende Künstlerin, Cornelia König, überzeugt. Seit zwei Jahren im Corona-Ausnahmezustand, schifft sie ihren Kunstverein besonnen durch eine ungewisse Zeit. Galerie auf, Galerie zu, man passt sich an die Gegebenheiten an – das Leben im Hier und Jetzt bekommt Wertigkeit.

König hat es vor Jahren eingeführt, dass die sechs Ausstellungen im Jahr sich mit einem Jahresthema beschäftigen.

So auch 2020 – „Genie und Gender“ war das Thema und derzeit läuft eine Ausstellung zu diesem Thema aus dem Jahr 2020, die nun nachgeholt wird. Und diese Ausstellung zeigt besonders plakativ, wie man mit wenig viel machen kann. Aus recyceltem, strahlend gelbem Papier (war einmal Zeitungspapier) haben die Künstler Christoph und Sebastian Mügge die gesamte Galerie er- und ausgefüllt und auf eindrucksreiche Weise Beethovens Genie und Wahnsinn in unsere Zeit und Ausdrucksformen transferiert.

Kunst kommt und geht, aus Papier wird wieder Papier

Dass diese „Installation“ aus Papier aber keine Langlebigkeit hat, zeigt den Diskurs, der in der Kunst zum Mainstream wird. Man spricht bereits von einer „Urzeitkunst“, also jene Kunst, wo Bilder gemalt werden, anfangs an Höhlenwänden, dann auf Leinwänden, die man dann aufhängt, ausstellt und anschließend in einem Depot archiviert und für die Ewigkeit bewahren möchte.

"Wir Menschen sollten uns nicht so wichtig nehmen, von uns bleibt nichts übrig" Cornelia König

Und dann gibt es die flüchtige Kunst, die etwas aufzeigt, bewusst macht und dann wieder verschwindet. König hat damit kein Problem, dass die Kunst kommt und geht, „aus Papier wird wieder Papier, aus Kunst wird wieder Kunst“, so der meditative Ansatz vom Gedeihen und Verderben: „Wir Menschen sollten uns nicht so wichtig nehmen, von uns bleibt nichts übrig“, sagt König pragmatisch.

Man müsse sich vom Ewigkeitsgedanken verabschieden. Das menschliche, wie das künstlerische Leben findet im Hier und Jetzt statt, nicht im Nachhinein. Königs „Jetztleben“ fruchtet aus einer jahrzehnte- langen Beschäftigung mit dem Zen-Buddhismus, dessen Wesensart in ihr Wirken als Kunstvereins-Obfrau einfließt. 

„Dass wir hier diese Installation in unserer Galerie aufgebaut haben, hat uns allen viel Spaß und Freude gemacht und wir haben viel kommuniziert“,, sagt sie. Darum gehe es in der Kunst, dass man im Hier und Jetzt etwas erlebt und erkennt; dass das, was dabei entstanden ist, wieder vergeht und verschwindet, tue dem künstlerischen Schaffensprozess keinen Abbruch.

„Viele junge Menschen finden unseren Kunstraum einen der coolsten Kunsträume in der Umgebung“
Cornelia König

Mit dieser neuen flüchtigen Form der Kunst spreche man auch die junge Generation an. Das sei auch Zweck und Aufgabe eines der ältesten Kunstvereine (seit 1915), die Freude an der Kunst bei den Jüngeren zu wecken: „Viele junge Menschen finden unseren Kunstraum einen der coolsten Kunsträume in der Umgebung“, ist König zurecht befriedigt, dass ihr Konzept, neue moderne Wege zu gehen, aufgeht. 

„Den Gedanken der flüchtigen Kunst gibt es bereits seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts“, weiß König. Kunst soll nach einer zeitgeistigen Perfektion streben, besonders dann „wenn man sie nie erreicht.“ Was allerdings immer gleich bleibe, ob langlebige oder flüchtige Kunst, „man schaut Kunst an und der Dialog mit ihr wird bleiben, für mich ist Kunst eine Art Zen-Übung, um ins Hier und Jetzt zu kommen und hierzubleiben“, solange wir Menschen halt noch da sind…

Die Ausstellung „BTHVNs Messie Service – Ode an die Grantigkeit“ läuft noch bis 23. Jänner 2022.