Museum Gugging: Die Königin und die Frau Mitzi. Früher war er vielen zu wild. Jetzt zeigt das Gugginger Museum die erste Personale zu Philipp Schöpke.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 20. November 2018 (01:00)
Art Brut KG
Eine von vielen: Philipp Schöpkes „Frau Mitzi“ mit t vorm z und Orange im Gesicht ist riesige 1,4 mal 1,5 Meter groß. Und stammt aus 1988. Zu sehen ist sie in der ersten großen Personale zu einem der noch immer unbekannteren Guggingern.

Die Königin ist bleistiftgrau. Hat zwei Kreuze auf der himmelhohen Krone und einen Herzanhänger am linken Ohr. Hat 39 spitze Zähne. Und die schönsten, lackierten Zehennägel von Gugging.

Die Frau Mitzi ist mandarinorange. Hat ein schmales hellrotes Herz irgendwo neben dem rechten Ohr. Eine Zahnreihe, die knapp 1,5 Meter breit ist. Und, damit sie nicht ins Schwanken kommt, gleich zwei Paar Beine, ein rotes und ein schwarzes.

„Er ist immer aus allen Rastern gefallen.“ Kunstpädagogin Maria Höger über Philipp Schöpke

Wobei: Es gibt viele ‚Mitzis‘ bei Philipp Schöpke. „Die kommen immer wieder vor“, meint Kunstpädagogin Maria Höger. „Genauso wie der Vater Franz und der Vater Fritz, das waren vielleicht Franz Kamlander und Fritz Koller.“ Die lebten, wie der 1921 in Erlach Geborene und 1998 in Klosterneuburg Verstorbene, in der damaligen „Heil- und Pflegeanstalt Gugging“. Und die begannen dort, wie Philipp Schöpke auch, zu zeichnen. Nur: Die wurden, ebenso wie Hauser und Walla und Tschirtner, gekannt, die wurden ausgestellt, die wurden verkauft. Philipp Schöpke nicht. Der konnte, soll Gugging-Pionier Leo Navratil einst gesagt haben, „ja gar nicht zeichnen“.

Und hat doch ganz viel gezeichnet. Auf kleinen, weißen Postkarten, dann auf größeren, beigen Packpapierbögen, später auf riesigen Papieren, die so groß waren, dass nur „im Kohlenkeller“, so Gugging-Leiter Johann Feilacher, Platz war zum Zeichnen.

Köpfe hat er dort gezeichnet, mit wilden Zähnen und wilden Haaren, Körper, mit verschlungenen Därmen und schmalen Herzen („das ist sein Röntgenblick“, so Maria Höger), Kinder, Kühe, Ziegen, aber auch, da war er schon in der Psychiatrie, einen Doktor und einen Patienten, einen „Könike“ namens Philipp, eine Dame namens Helga, Häuser, Hunde, Pflanzen, Robben.

Früher waren die „zu unangenehm“, „nicht so angepasst“, „pur“. „Jetzt“, sagt Johann Feilacher, „ist genau die richtige Zeit“. Und hat 130 Zeichnungen („in der Ausstellung haben wir alles, was er gemacht hat“) von 1964 bis 1996 ausgesucht und ausgestellt. Bis 10. März läuft die wilde Schau. Dann kommt wieder ein „Klassiker“, aber diesmal ganz ohne Bilder: August Walla.

http://www.gugging.at