Herr Schiele und die Krokodile. Offene Häuser und gleich sieben neue Schauen von Krems über St. Pölten bis Mistelbach – ein Rundblick durch NÖs Museen.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 08. Juli 2020 (05:46)
„Ohne Schiele geht’s nicht“: Die „Prozession“ aus 1911 ist einer von drei Schieles, die in der gerade eröffneten „Schiele.Rainer.Kokoschka“-Schau aus Ernst Ploils Sammlung im Untergeschoss der Kremser Landesgalerie hängen. „Dafür“, so Landesgalerie-Direktor Christian Bauer, „sind das echte Kracher!“
NÖN/Fleck

So viel Neues gibt’s sonst in einem ganzen Jahr. Blumenbilder und Reptilienschädel, Comic-Ikonen und Welterbe-Landschaften, Straßen-Kunst und Foto-Träume, Schiele-„Kracher“ und Wotruba-Bronzen – all das seit letztem Mittwoch und den ganzen Sommer (und noch länger): Das gibt‘s nur heuer.

Denn: Seit letztem Mittwoch haben – nach den vielen kleinen, den ersten Themenschauen (von Mistelbach bis zur Schallaburg) und den großen Freiluftgeländen (von Niedersulz bis Carnuntum) – endlich auch Niederösterreichs große Kunsthäuser wieder offen. Mit Abstand (den Babyelefanten gibt‘s im St. Pöltner Haus für Natur und im Kremser Karikaturmuseum auch in Originalgröße). Und mit ganz viel Neuem.

Gefräßig: ein Krokodilschädel (oben) im Haus für Natur.
Müller

In St. Pölten, um gleich bei den großen Tieren zu bleiben, hat der neue Chef im Haus für Natur, Ronald Lintner, seine erste Schau gleich dem brennendsten Thema unserer Zeit gewidmet: dem Klima. Und zeigt, „nicht lehrend und nicht mahnend“, aber knallbunt und im wahrsten Sinn begreifbar, alles vom Kohlendioxid bis zum Krokodil (mehr dazu siehe Ausstellungskritiken).

Blumig: die neuen Bilder im Nitsch Museum Mistelbach.
Pfabigan

In Mistelbach hat Aktionskünstler Hermann Nitsch dagegen die Farben gewechselt. Und im nach ihm benannten Museum vieles von dem versammelt, was er allein im letzten Jahr gemalt hat – Weißes, Buntes und, auch das, Blumiges.

„Ohne Schiele geht’s nicht“: Die „Prozession“ aus 1911 ist einer von drei Schieles, die in der gerade eröffneten „Schiele.Rainer.Kokoschka“-Schau aus Ernst Ploils Sammlung im Untergeschoss der Kremser Landesgalerie hängen. „Dafür“, so Landesgalerie-Direktor Christian Bauer, „sind das echte Kracher!“
NÖN/Fleck

In Krems hat nicht nur die gesamte Kunstmeile an einem Tag alle ihre Häuser wieder aufgesperrt. In Krems haben auch die meisten neuen Schauen gerade erst ihre Pforten geöffnet – fünf an der Zahl und das in nur drei Häusern.

Das größte, NÖs ein Jahr junge Landesgalerie, hat auf ihren fünf Etagen seit vergangener Woche vier Schauen laufen, drei davon sind brandneu. Ernst Ploils erste, große Sammlerschau „Der Welt (m)eine Ordnung geben“ zeigt nicht nur eine „herausragende Sammlung“ mit ein paar „echten Krachern“, so Direktor Christian Bauer. Sondern auch eine „schau-lust-volle“ Ausstellung, so Kurator Herbert Giese, voller Bilder, Skulpturen, Vitrinen und Möbel, von Schiele bis Loos.

Möbel gibt es in der „wahrscheinlich größten Wachau-Ausstellung“, so Kurator Wolfgang Krug, keine. Dafür Landschaftsbilder, Ausflugsbücher, Dichtertexte aus über 150 Jahren und rund um die Welterberegion an der Donau. Landschaftsbilder, aber ganz anderer Art, zeigt Foto- und Videokünstler Michael Goldgruber in seinem „Traum.Land“ – graue, grüne, fragende und fragmentarische.

Robin Rhode in der Kunsthalle
NÖN/Fleck

Gleich gegenüber, in der Kremser Kunsthalle, zeigt „Südafrikas Shooting-Star“ Robin Rhode, was Straßenkunst auch sein kann – poetisch, politisch. Und im Kremser Karikaturmuseum laufen ein paar Ikonen der Comic-Welt erstmals über die gelben Wände: Fix & Foxi.

„Fix & Foxi“ im Karikaturmuseum
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Und wer hat noch gerade wieder aufgesperrt? Das Museum Gugging und das Schiele Museum Tulln.


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