Wenn er einmal reich wär’…. Im Badener Stadttheater träumt man ab Samstag von besseren Zeiten – mit Musicalstars und Milchmännern.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 21. Oktober 2020 (03:23)
Der Milchmann und sein Fiddler – nicht „on the roof“, also: am Dach, sondern auf den Stufen: Georgij Makazaria (rechts) mit Geiger Aliosha Biz in einer Probenpause vor dem Badener Stadttheater.
Fleck

„Ich hätte mich selber ja nie beworben!“ Lacht Georgij Makazaria. Und steht doch ab 24. Oktober auf der Bühne von Badens „Jubiläums-Stadt-Theater“. Und zwar nicht als Frontman seiner Rockband Russkaja. Sondern als Milchmann. In Joseph Steins & Jerry Bocks Broadway-Bestseller „Anatevka“.

Mit dem eröffnet man am Badener Theaterplatz die diesjährige Herbstsaison, für die Theaterdirektor Michael Lakner das Motto „Arm und Reich“ ausgegeben hatte. Und für das hat man nicht nur einen waschechten Musicalstar, nämlich „Elisabeth“ Maya Haakvoort, engagiert. Sondern auch einen russischstämmigen Geiger: Aliosha Biz. Eine in Israel geborene Sängerin: Shlomit Butbul. Und einen georgischen „Gentleman“: Georgij Makazaria.

„Wenn’s nicht gerade traurig ist, ist es sehr lustig!“ Hauptdarsteller Georgij Makazaria über dieGeschichte vom Milchmann in „Anatevka“

Ein „ganz wunderbarer Cast“ sei das. Und: „Das ist das Schönste, woran ich jemals gearbeitet habe“, so der in Moskau geborene Musiker, der neben seiner ersten „menschlichen“ Hauptrolle („ich hab’ bisher nur Fabelwesen und sowas gespielt“) auch gleich seine Wurzeln erforschte. „Mein Ururgroßvater kommt auch aus einem jüdischen Schtetl.“ Wie der Milchmann, der in „Anatevka“ (Geiger Aliosha Biz: „Schade, dass es bei uns nicht ‚Fiddler auf dem Dach‘ heißt, dann könnt ich sagen, ich spiele die Titelrolle!“) vom Reichsein träumt, mit seinen Töchtern hadert und die Tradition hochhält.

„Es ist keine altmodische Geschichte“, so Makazaria, der als Tevje auch zwei seiner Töchter neben sich auf der Bühne hat – auch wenn man historische Kostüme anhabe und sehr „traditionsgetreu“ erzähle. „Es geht um Werte“, so Butbul, es geht „um Hoffnung“, so Biz. Und die Musik sei „wahnsinnig berührend“, so Makazaria. Selbst mit Abstand auf der Bühne und im Publikum (wo seit Montag coronabedingt nur mehr 250 Platz haben). Und doch, so Tevje-Darsteller Georgij Makazaria: „Das ist Gänsehaut vom Feinsten!“