Alte Töne auf neuen Wegen. Bei den Barocktagen Melk geht man 2021 auf die „große Tour“ – mit alten Tönen, neuen Gästen und einem Stück „Himmelreich“.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 18. November 2020 (02:50)
Am Sprung zur „grand tour“: Michael Schade, dessen Vertrag als künstlerischer Leiter der Melker Barocktage gerade um fünf weitere Jahre bis 2027 verlängert wurde.
Daniela Matejschek

„Es wird dunkel. Aber der Frühling wird kommen!“ Ist Michael Schade überzeugt. Und ist schon jetzt „voller Freude“. Denn: Der Star-Tenor hat für den Frühling, genauer: für Pfingsten 2021, bereits die Koffer gepackt. Und schickt die siebente von ihm programmierte Ausgabe der mittlerweile 43 Jahre jungen Internationalen Barocktage im Stift Melk auf die „grand tour“, also: die „große Reise“.

Ein „phänomenales Thema“ sei das, eine „faszinierende Geschichte“ und ein „wunderbares“ Programm. Schließlich hätten schon die gehobenen Familien im mittleren Barock bis in die hohe Klassik ihre Kinder auf Tour geschickt, nach Italien, „zu den Quellen“. „Man muss nur an die großen Händel-Opern denken oder an Mozart, der Monteverdi in Venedig gehört hat“, erklärt Festival-Leiter Michael Schade. Und Festival-Koordinator Alexander Hauer ergänzt: „Unsere Überschrift ist diesmal: eine große Reise des Kopfes und des Herzens.“

„Das ist das, was wir brauchen, in dieser Zeit: ein Stück Himmelreich!“ Tenor und Barocktage- Leiter Michael Schade

Denn: Gereist wird nächstes Pfingsten in Melk vom Barock über die Klassik bis zur Weltmusik der Gegenwart, von Venedig bis Sachsen und von Rom bis England, von Händel bis Haydn und von Graupner bis Mozart. Gespielt wird in der Melker Stiftskirche und im Kolomanisaal, im Sommerrefektorium und vor dem Gartenpavillon, in der Altstadt und, mit der Ausstellung „baroXmedia“, in der Sommersakristei.

Auf der Gästeliste stehen neben alten Bekannten auch neue Namen. Spaniens Dirigenten-Star Pablo Heras-Casado zum Beispiel, der 2021 mit dem „Residenzorchester“ der Barocktage, dem Concentus Musicus, in der Wiener Staatsoper debütiert und „einen Tag vorher“, am 21. Mai, die Festivaleröffnung in Melk dirigiert (mit „einem Werk, das jeder hören musste“, nämlich Monteverdis „Marienvesper“). Oder die Darmstädter Barocksolisten, bei denen man am 22. Mai „Sachen hören wird, die noch nie gehört wurden“, so Michael Schade.

Oder die Cembalistin Anne Marie Dragosits am 23. Mai („das wird knusprig, das wird wunderbar“). Oder der Hammerklavier-Virtuose Christoph Hammer, mit dem Tenor Michael Schade am 24. Mai „etwas wahnsinnig Unbarockes“ macht, nämlich einen Liederabend („da singen wir auch ein paar Mozart-Lieder“). Nach zwanzig Jahren wieder zu Gast: Giovanni Antonini mit seinem Il Giardino Armonico, außerdem Michi Gaigg mit ihrem L’Orfeo Barockorchester, Alfredo Bernardini mit seinem Ensemble Zefiro, das Ensemble 15.21 und, zum Festivalabschluss, der Concentus unter Stefan Gottfried.

Dazu soll der Heinrich-Schmelzer-Wettbewerb, den man 2020 abbrechen musste, finalisiert und eine „Art Meisterklasse“ mit Wiens Musik-Uni und Wiens Concentus eröffnet werden. „Offroad“ geht man 2021 vor dem Gartenpavillon, und zwar mit Oud (Marwan Abado), Hang (Peter Rosmanith) Klezmer-Klarinetten (Maciej Golebowski) und Weltmusik-Geige (Joanna Lewis).

Karten werden vorläufig nur reserviert

Beginnzeiten gibt es derzeit noch keine, dafür ein „Riesenkonzept“ mit zwei Konzertterminen als Alternativvariante. Karten werden vorläufig nur reserviert (offizieller Verkaufsstart: 30. November), im Frühjahr je nach Situation und Rücksprache dann gebucht. Michael Schade: „Ob wir’s kleiner oder größer machen: Es wird toll!“