Von Engerln und Bengerln. 2020 hat sich Michael Schade Himmlisches und Englisches ins Stift eingeladen.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 26. November 2019 (01:50)
Beten oder singen? In der Melker Stiftskirche spielt Tenor Michael Schade jedenfalls bei den nächsten Barocktagen auch – den Aeneas in Purcells halbszenischer Barock-Oper.
Daniela Matejschek

„Engel sind ja wunderbare Wesen. Und die im Stift sind auch noch wunderbar frech. Das gefällt mir.“ Sagt einer, der schon Engel gesungen hat. Und sich heuer auch Engel eingeladen hat – und das in ein Barockstift.

„Engelland“ heißt das zugehörige Programm, das Michael Schade, Star-Tenor und Barocktage-Intendant, in seinem „verflixten siebenten Jahr“ in Melk vorhat. Da singen etwa im Schloss Pielach die Himmelsboten (mit Sopranistin Dorothee Mields und mit Gambe und Harfe als Begleitung) von der Liebe. Und da flattern die Elfen mit einem Orchester (nämlich Michi Gaiggs L’Orfeo) und den Engeln im Kolomanisaal um die Wette.

„Ich brauche noch ungefähr 28 Jahre, bis meine Liste durch ist!“ Michael Schade, künstlerischer Leiter der Barocktage, über seine Wunschgästeliste für Melk

Zwei bzw. drei von insgesamt 17 Konzerten sind das, die die Barocktage zu Pfingsten 2020 bespielen, darunter zwei für Kinder, eins zum Frühstück, eins in der Sakristei, eins im Hof. Und natürlich, zur Eröffnung und zum Abschluss, in der prächtigen Melker Stiftskirche. Dort gibt’s nächstes Jahr erstmals Oper, und zwar Purcells halbszenische „Dido und Aeneas“, mit dem Concentus Musicus und dem Intendanten als Aeneas am 29. Mai. Und am 1. Juni singen, auch in der Stiftskirche und auch erstmals, die Tallis Scholars „wie die Engel“.

Wobei der Intendant nicht nur die Engel eingeladen hat ins Stift. Sondern auch die Engländer. Die gehören, geografisch und musikalisch gesehen, genauso zum Leitmotiv („das ist ein Wortspiel“, zwinkert Alexander Hauer, künstlerischer Koordinator der Barocktage).

Mit noch einmal Henry Purcell, diesmal mit der Berliner lautten compagney und einem Saxophon, mit einer Kriegsflotte, angeführt von der spanischen Accademia del Piacere und Maxi Blaha („die wird die englische Königin vertreten“), mit Londoner „Gastarbeitern“, also: Händel, Telemann, Haydn oder auch Mozart), mit einem nächtlichen Date im Altarraum mit „Songwriter“ John Dowland.

Bei den Barocktagen 2020 gibt es aber nicht nur alte Freunde, sondern auch neue Gäste. Wie Pianist Paul Gulda, der mit seinem eigenen Cembalo und dem Fitzwilliam Virginal Book („und noch meinen Englischen Suiten von Bach“) in den Gartenpavillon anreist. Oder Sängerin Agnes Palmisano, die mit Dowland auf Wienerisch „OffRoad“, genauer: im Hof Halt macht. „Für mich ist das ein Wunschkonzert!“, so Michael Schade.

www.barocktagemelk.at