Ludwiga Reich präsentiert gemeinsame Geschichte

Die Vergangenheit des ältesten Judenfriedhofes in Mähren zeigt beeindruckende Verbindungen zu Niederösterreich.

Erstellt am 14. November 2017 | 00:10
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Zwei Gedenksteine, deutsch und tschechisch beschriftet, erinnern an die
Foto: Scholz

Ludwiga Reich ist eine sehr neugierige Frau. Die Professorin im Unruhstand mit Wohnsitz in Hilzmannsdorf (Enzenreith, Bezirk Neunkirchen) hat schon wieder ein spannendes Projekt auf die Beine gestellt.

Diesmal also ein Friedhof, der älteste Judenfriedhof in Mähren. Den fand Reich in Ivančice (Eibenschütz), nahe bei Brünn. „Dieser Friedhof hat vom ersten Moment an eine ungeheure Faszination auf mich ausgeübt – durch die Schönheit seiner Steine, durch die heilige Würde des Ortes. Ich wollte als Touristin eine Erinnerung mitnehmen. Ich habe nichts gefunden.“

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Ludwiga Reich
Foto: privat

Also reiste sie in der Folge mehrmals nach Ivančice, fotografierte, beschäftigte sich mit der Historie und entdeckte dessen ebenso spannende wie berührende Geschichte: Und erforschte die jüdische Gemeinde von Ivančice, die – ehe sie 1942 restlos ausgelöscht wurde – enge Verbindungen mit Niederösterreich hatte.

„Da ist der Friedhof in der Erinnerung ganz wichtig, denn er erfüllt die Funktion des Bewahrens“, sagt Reich. „Er ist ein steinernes Archiv.“ Die Verbindung von Mähren und Niederösterreich zeigte sich besonders deutlich 1938, als die Stadt Ivančice durch den Fall von Krumau zur Grenzstadt geworden war und Hunderten Flüchtlingen aus Niederösterreich und dem Wiener Raum Schutz gewährte. „Und zwar in einem Lager, das ein Ort der Zuflucht war. Hier hatten die Menschen bis 1942 ein Dach über dem Kopf, Verpflegung, Versorgung.“

Über all das hat Ludwiga Reich ein faszinierendes Buch geschrieben, das großartig von Marco Nývlt ins Tschechische übersetzt wurde und zweisprachig im Verlag Wieser erschienen ist (236 Seiten, 29,95 , Cover oben). Präsentiert wurde das Buch in Ivančice – und dazu noch zwei Gedenksteine enthüllt, die Niederösterreich maßgeblich gefördert hat.